Kolumbien |

Hilfe kommt im Minutentakt

Er ist Fernseh-Star, Zeitungs-Kolummnist, Firmenchef und ein klein wenig auch Familienoberhaupt: Padre Diego Jaramillo ist Präsident der in dieser Art wohl weltweit einmaligen Hilfsorganisation „Minuto de Dios“ (MD) in Kolumbien.

Jeden Abend von Montag bis Freitag um 18.59 Uhr spricht Padre Diego im kolumbianischen Fernsehen genau eine Minute lang über Gott und die Welt – und ist sich sicher, dass es „ganz bestimmt eine der ältesten TV-Sendungen überhaupt ist.“ Seit über 56 Jahren läuft die „eine Minute Gottes“, die der Stiftung ihren Namen gegeben hat. Auf diese eine Minute baut sich der gesamte Erfolg der Stiftung auf.

Kreative Methoden des Spendensammelns runden die öffentliche Wahrnehmung von „MD“ ab. Etwa beim Warten auf die Auszahlung am Geldautomaten oder an der Supermarktkasse beim Begleichen der Rechnung: Ein einfaches „Si“ am Ende des Vorgangs reicht, und umgerechnet etwa 20 Cent wandern in die Kassen von „Minuto de Dios“. „Wir haben ausgerechnet, dass alle drei Minuten an einem kolumbianischen Geldautomaten gespendet wird“, sagt Padre Diego Jaramillo. Vielleicht auch ein Denkanstoß für deutsche Großbanken. „Viele Unternehmen helfen uns, weil sie wissen, dass sie uns vertrauen können und das Geld auch tatsächlich ankommt.“ Und weil es ein sozialer Imagetransfer in Richtung Unternehmen ist, der unbezahlbar ist.

Seit dem Tod von Stiftungsgründer Rafael Garcia Herreros 1992 leitet der in der Nähe von Medellin geborene Padre Diego die beeindruckende Organisation, nach der in der kolumbianischen Hauptstadt Bogota sogar ein eigener Stadtteil benannt ist. Kindergärten, Schulen, Universitäten, TV- und Radiosender sowie Call Center für die christliche Seelsorge bilden die sichtbaren Ergebnisse der Aufbauarbeit eines halben Jahrhunderts.

„Wir haben im Wesentlichen drei Schwerpunkte: Evangelisierung, Erziehung und Wohnungsbau“, erklärt Padre Diego und spricht damit den Gründungsgedanken an. Es geht vor allem um die Unterstützung der armen Bevölkerung des Landes: Tausende von Häusern hat die Stiftung für die Opfer des endlosen bewaffneten Konflikts in Kolumbien bereits errichtet; sie ermöglicht ebenso vielen sozial schwachen Kindern und Jugendlichen einen Zugang zu erstklassiger Bildung, die ansonsten unbezahlbar wäre.

Mit seinen 76 Jahren führt Padre Diego seine Institution mit einem beeindruckenden Detailwissen: Ob es die neuesten Technologien in den eigenen TV- und Radiostudios sind oder der Forschungsstand in Sachen Mikroorganismus in der naturwissenschaftlichen Fakultät der eigenen Universität.

Und trotz des riesigen Apparats, den der Pater zu steuern hat, ist er nahe an den Menschen geblieben. So richtig blüht er auf, wenn er in den eigenen Kindergarten geht und die Drei-Käse-Hochs begeistert auf ihn zustürmen. Wenn Padre Diego über den Campus der Universität spaziert, bleiben die Studenten stehen, reden und sprechen mit ihm. Und er spricht mit Ihnen, kennt ihre Namen und ihre Sorgen: „Irgendwie ist das hier auch meine Familie.“


Autor: Tobias Käufer
Die "Corporación El Minuto De Dios" im Internet: www.minutodedios.org