Chile |

Hafenarbeiter streiken seit 18 Tagen

Die Arbeiter des chilenischen Unternehmens Ultraport in Puerto Angamos (Mejillones) setzen ihren seit 18 Tagen anhaltenden Streik für bessere Arbeitsbedingungen fort. Unter anderem fordern die Arbeiter, dass ihnen die gesetzlich zustehende Pausenzeit gewährleistet und ihnen ein Pausenraum zum Essen zur Verfügung gestellt wird. Arbeiter weiterer Häfen in Iquique, San Antonio, Biobío und Puerto Montt haben sich dem Streik angeschlossen. Nach Angaben lokaler Medien sollen sich derzeit rund 70 Prozent aller chilenischen Hafenarbeiter im Streik befinden.

Keine Toiletten, keine Pausen

Die Gewerkschaften beklagen das brutale Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen die Streikenden. Gewerkschaftsführer Enrique Solar erklärte, im Polizeigewahrsam gefoltert worden zu sein. Das harte Vorgehen hatte zu einer Solidarisierungswelle in Chile geführt. Robinson Ávalo, Vorsitzender der Gewerkschaft der Hafenarbeiter (Unión Porturia), erklärte, den Beschäftigten stehe oft nicht einmal eine Latrine zur Verfügung. Die Hafenarbeiter fordern, dass in neuen Gesetzen die „Normen für würdige Arbeitsbedingungen“ eingehalten werden.

Verhandlungsgespräche sind bisher erfolglos verlaufen. Das Unternehmen für Hafenlogistik, Ultraport, hatte zwar der Forderung nach einer Entschädigungszahlung von 3.200 chilenischen Peso (umgerechnet etwa 5,27 €) pro Schicht zugestimmt, solange das Recht auf eine würdige Pause nicht eingehalten wird, die Wiedereinstellung von im Zuge des Streiks entlassener Arbeiter jedoch abgelehnt. Auch der Forderung, gewerkschaftlich organisierte Arbeiter nicht mehr mit Prozessen und Klagen zu überziehen, lehnte das Unternehmen ab.

Handelskammer schätzt Schaden auf 210 Mio. US-Dollar

Arbeitsministerin Evelyn Matthei, bezeichnete die Lage als "ernst, weil viele Schiffe Stichtage haben“, bis zu denen ihre Ladung im Ausland akzeptiert werde, berichtet die Nachrichtenagentur Telesur. Die chilenische Handelskammer (CNC) schätzt die wirtschaftlichen Schäden des Streiks auf ca. 210 Mio. US-Dollar. Sorgen machen sich verschiedene Unternehmerverbände allerdings auch um den Imageschaden Chiles als zuverlässigen Handelspartner. Der Vorsitzende der Kammer für Häfen und Maritimes, Rodolfo García, forderte von der Regierung in einer öffentlichen Erklärung, dass die Regierung dem “Terrorismus” mit harten Sanktionen „gegen die Piraten“ ein Ende bereite.

Das Unternehmen Ultraport wurde 1981 gegründet und betreibt mittlerweile 20 chilenische Häfen. Es befindet sich im Besitz der deutsch-chilenischen Familie von Appen. (bh)