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Häusliche Gewalt soll Straftat werden

Bei einer Ende September abgehaltenen Telefonkonferenz in Lima diskutierten Vertreter von peruanischen sozialen Organisationen und Angehörige des Frauenministeriums MIMDES mit der Aufsichtsbeamten des Zentrums für die Rechte von Migranten in Florida, María José Fletcher, über die Situation bezüglich der Gewalt gegen Frauen.

Gefängnisstrafen für häusliche Gewalt

Sie kritisierten, dass häusliche Gewalt in Peru noch immer keine Straftat, sondern nur ein Vergehen ist. Derzeit versucht eine Kommission im Parlament eine Gesetzesänderung zu erreichen, die häusliche Gewalt und Feminizid als Straftat definiert und mit bis zu 20 bis 25 Jahren Gefängnis ahndet. Außerdem soll gewalttätigen Eltern das Fürsorgerecht für ihre Kinder entzogen werden. Weiterhin will die Kommission erreichen, dass überführte Straftäter in einer Datenbank registriert sind, damit nicht mehr bei Sicherheitsdiensten arbeiten und keine Waffen erwerben können.
Nach Angaben der zuständigen Stellen beim Innenministerium seien von Januar bis März dieses Jahres 40 Feminizide in Peru registriert worden, das heißt Morde, bei denen Frauen aufgrund von struktureller sexualisierter Gewalt umgebracht worden sind. Rund ein Drittel der Opfer war zwischen 18 und 25 Jahre alt und bei fast der Hälfte der Opfer handelte es sich um Mütter.

Misshandlungen in Städten häufiger

Bei einer vor kurzem veröffentlichte Umfrage des Instituts für Statistik in Peru INEI, die im Jahr 2008 durchgeführt worden war, gaben 34,5 Prozent der peruanischen Männer an, dass sie ihre Partnerin mindestens einmal misshandelt hätten. Dabei seien Misshandlungen in städtischen Räumen häufiger als auf dem Land. Allgemein stellten die Teilnehmer des Treffens eine Zunahme der Gewalt gegen Frauen im Land fest.

Die aus Florida zugeschaltete Expertin Flechtcher wies darauf hin, dass Gewalt bei Frauen außer den sichtbaren physischen Blessuren auch psychische Schäden hinterlasse, die das Selbstwertgefühl beeinträchtigten. Die Frauen würden diese schlimmen Erfahrungen auf ihre Kinder übertragen, so die Spezialistin. „Sie erziehnen ihre Kinder nach demselben patriarchalen Modell, in dem sie ihnen zum Beispiel beibringen, dass die Mädchen für ihre Brüder sorgen müssten", kritisierte sie die Erziehung hin zu einem bestimmten Rollenverhalten. Durch diesen Erziehungsstil würden Kinder von klein auf verinnerlichen, dass Jungs den Mädchen übergeordnet sind, so Fletcher.

Mehr Aufklärung notwendig

Die Expertin wies außerdem auf die besondere Gefährdung von Migrantinnen hin. Viele migrantische Jugendliche würden von Menschenhändlern missbraucht, sie hätten aufgrund der Sprachbarriere zudem Schwierigkeiten, sich gegen Gewalt zur Wehr zu setzen. Auch der oft illegale Aufenthaltsstatus sei für migrantische Frauen in den USA ein Problem, wenn es darum gehe, Gewalt anzuzeigen. Häufig hätten migrantische Frauen auch keine Kenntnis der Hilfsangebote, die sie in Anspruch nehmen könnten.

Fletcher empfahl den anderen Teilnehmern, stetig Informationskampagnen zum Thema durchzuführen, um Männer und Frauen für dieses Thema zu sensibilisieren. Auch die Weiterbildung von Juristen und Polizisten auf diesem Feld sei notwendig. (bh)

Quelle: Adital