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Guyana: Karibische Staaten vermitteln in Machtkampf

Nach den umstrittenen Wahlen zur Nationalversammlung im südamerikanischen Guyana sind mehrere Regierungschefs karibischer Staaten in das Erdöl-Land gereist, um im Streit zwischen den politischen Lagern zu vermitteln. Bei den Wahlen am 2. März 2020 hatten die zwei wichtigsten Parteien den Wahlsieg für sich erklärt, was zu Straßenprotesten, Polizeigewalt und einem Toten geführt hatte, berichtet die Nachrichtenagentur AP Mitte der Woche. Die Delegation der Organisation Ostkaribischer Staaten (OECS) entsendete Mia Mottley aus Barbados, Keith Mitchell aus Grenada, Roosevelt Skerrit aus Dominica und Ralph Gonsalves aus St. Vincent und Grenadinen.

Beim Konflikt um die politische Macht in der 800.000-Einwohner-Nation stehen sich die oppositionelle "People's Progressive Party" (PPP) als auch die Regierungspartei des Präsidenten "Pepople's National Congress" (PNC) unversöhnlich gegenüber. Die PNC, die hauptsächlich von Afro-Guyanern, Nachfahren afrikanischer Sklaven gewählt wird, erklärte, sie habe die Wahl um das 65-Sitze-Parlament mit einem Mehrheitsvorsprung von zwei Abgeordnetenmandaten gewonnen. Die PPP, welche die Indo-Guyaner, Nachkommen indischer Arbeiter vertritt, besteht auf einem Sieg mit drei Parlamentssitzen Vorsprung.

Hinter dem Machtkampf steht die Frage, wer künftig die neu entdeckten Erdölvorkommen in einem der ärmsten Ländern Südamerikas kontrolliert. Laut Internationalem Währungsfonds (IWF) werde das Nachbarland Venezuelas in 2020 ein Wirtschaftswachstum von fast 86 Prozent verzeichnen. Bis 2030 könnte der Anteil der Regierung an den Einnahmen aus dem Ölgeschäft an die 10 Milliarden Euro betragen, berichtet die Nachrichtenagentur DPA. Seit einem Jahr suche die Regierung nach einem Vermarkter seines Öls. Regierung und Opposition streiten über die Höhe der Einnahmen für den Staat. (bb)  

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