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Guatemala: Bischöfe fordern radikalen Kurswechsel

Hochland von Guateamala. Foto:Adveniat.
Hochland von Guateamala. Foto:Adveniat.

Guatemalas Bischöfe sprechen Klartext: "Die Ernährungskrise von abertausenden von Guatemalteken, besonders aber von chronisch unterernährten Jungen und Mädchen, ist für all jene, die das erleiden müssen, eine Beleidigung ihrer Menschenwürde", schreiben die Bischöfe des bettelarmen mittelamerikanischen Landes in einem vom Präsident der Guatemaltekischen Bischofskonferenz, Bischof Rodolfo Valenzuela Núñez sowie Generalsekretär Bischof Bernabé de J. Sagastume Lemus unterzeichneten Bestandsaufnahme der Situation in dem mittelamerikanischen Land. Die Ernährungskrise habe nach Einschätzung der Bischöfe für die Menschen weitaus schlimmere Auswirkungen als die aktuelle Finanzkrise.

Die Situation in dem mittelamerikanischen Land ist nach Einschätzung der Kirche dramatisch. Besonders die Landbevölkerung leidet unter der katastrophalen Armut. Nach einer vor wenigen Wochen veröffentlichten Studie leben sogar mehr als 70 Prozent der indigenen Bevölkerung in bitterer Armut und katastrophalen Verhältnissen. Der tägliche Kampf ums Überleben müsse endlich ein Ende haben, schreiben die Bischöfe: „In diesem Sinne ist es dringend notwendig, eine Lösung für die schwierige Situation der vielen tausend Kleinbauern in den ländlichen Regionen zu finden, die Hunger, Ausbeutung und Ungerechtigkeit ausgesetzt sind.“

Ziel müsse es sein, eine, integrale, solidarische und nachhaltige Entwicklung der Gesellschaft zu ermöglichen, die nach einer Skala von richtigen Werten errichtet werden so die Bischöfe und fordern deshalb einen radikales Umdenken in der Wirtschaftspolitik, die in der Vergangenheit versagt habe: „Es ist notwendig ein neues Wirtschaftsmodell zu entwickeln, das sich von dem Modell der letzten Jahrzehnte unterscheidet, das den Konsum als maximale Option betrachtet und auf einer egoistischen und individuellen Betrachtungsweise basiert.“ Dieses System habe bislang nur Menschen einen größeren Wert beigemessen, die in der Lage seien unter dem Blickwinkel der Wettbewerbsfähigkeit mitzuhalten.

Die unmittelbare Folge dieser Politik sei unter anderem die exzessive Gewalt im Land: Viele Guatemalteken leiden unter dem existierenden Klima der Gewalt, der Unsicherheit und der vielen Morde. Diese Gewalt zu bekämpfen müsse ein Ziel des guatemaltekischen Staates und aller seiner Bürger sein. Unterstützung erhalten die Bischöfe für ihre Position von zahlreichen Experten. Eleonora Muralles von der Organisation Freunde und Familie gegen die Kriminalität und Entführung "FADS" sagte der Tageszeitung "La Hora": „Ich glaube dass alle Guatemalteken dieses Angstgefühl kennen. Wir haben den Eindruck, dass die Gewalt nicht aufhört." Sicherheitsexperte Mario Mérida fordert in der gleichen Zeitung ein Ende der Gleichgültigkeit: Es müsse endlich mehr Engagement der Bürger in diesen Fragen geben. Guatemalas Bischöfe hoffen darauf, mit den „Gedanken dieser Botschaft“ eine Orientierung für einen ethischen Prozess zu geben. (tk)

So hilft Adveniat
Adveniat unterstützt die im Hochland von Guatemala lebenden Indígenas, die ein sehr einfaches, entbehrungsreiches Leben als Kleinbauern führen. Was sie erwirtschaften, reicht gerade, um die eigene Familie zu ernähren. Bildungsmöglichkeiten gibt es kaum, weshalb viele junge Menschen ihre angestammten Dörfer verlassen und in die Stadt oder ins Ausland ziehen, wo sie sich Arbeit und Zukunft versprechen.

Adveniat-Projekt: Bildungschanchen für indigene Jugendliche