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Guaran?­-Kaiowa in akuter Gefahr

Gut 80 Indigene vom Volk der Guaraní-Kaiowa befinden sich im Bundesland Mato Grosso do Sul in akuter Lebensgefahr. Wie der Indianer-Missionsrat der katholischen Kirche, CIMI, auf seiner Webseite berichtet, befinden sich die Indianer in einem gewaltsamen Landkonflikt mit von weißen Farmern angeheuerten Schlägertrupps. Die Indigenen hatten im April in der Region Paranhos mehrere Farmen besetzt, die nach ihrer Meinung auf traditionel indigenen Land errichtet worden seien. Seitdem versuchen die Farmer die Ureinwohner unter Androhung von Gewalt zum Verlassen der Farmen zu zwingen.

Dringender Aufruf des CIMI

Die Guarani-Kaiowa seien derzeit vom Zugang zu Trinkwasser, zu Lebensmitteln und zu ärztlicher Betreuung abgeschnitten. Die von den weißen Farmern angeheuerten Schlägertrupps würden durch nachts in der Nähe der Indiocamps abgegebene Schüsse versuchen, die Guaraní-Kaiowa einzuschüchtern. Gleichzeitig würden die Farmer verhindern, dass die Menschen ihre Camps verlassen um Nahrungsmittel und Trinkwasser zu besorgen. In einem dringenden Aufruf bat CIMI nun um Unterstützung für die Guaraní-Kaiowas.

Staatliche Behörden untätig

Man habe bereits sowohl die Indianerbehörde FUNAI ,wie die örtliche Staatsanwaltschaft angerufen, die Situation zu entschärfen, berichtet CIMI. Allerdings hätten die Behörden nichts unternommen. Auch der staatlichen Gesundheitsbehörde FUNASA wird vorgeworfen auf Hilfegesuche nicht reagiert zu haben. In den Camps soll es mehrere kranke und unterernährte Kinder geben, die dringend ärztliche Betreuung bräuchten, so CIMI.

Gewaltsame Vertreibungen

Die Guarani-Kaiowa seien im Oktober 2009 von dem von ihnen als heilig angesehenen Land gewaltsam vertrieben worden. Dabei sei mindestens ein Mann von den Farmern ermordet worden; ein zweiter gilt immer noch als vermisst. Den Behörden werfen die Indios Untätigkeit bei der Suche nach dem Verschwundenen vor. Allerdings hindern die Behörden die Guarani-Kaiowa daran, selbst nach dem verschwundenen Mann zu suchen.

Bereits im Jahr 2007 hatte die FUNAI zugesagt, 36 von den Guarani-Kaiowas als heilige Stätten angegebene Gebiete zu demarkieren und den Indigenen als Landbesitz zu überschreiben. Dieser Prozess sollte eigentlich bis April 2010 durchgeführt werden; allerdings ist die FUNAI bisher noch nicht tätig geworden. Seit dem Ablauf der zwischen den Indios und der FUNAI vereinbarten Frist haben die Guarani-Kaiowas auf eigene Faust damit begonnen, die Gebiete zu besetzen. Dabei stoßen sie auf teilweise gewaltsamen Widerstand durch weiße Farmer.

Das Volk der Guarani-Kaiowa zählt etwa 27.000 Personen, die in gut 90 auf den Bundesstaat Mato Grosso do Sul verteilten Dörfern leben. Die Guarani-Kaiowas führen eine Reihe trauriger Statistiken an, darunter die zu Fällen von Unterernährung bei Kleinkindern, Selbstmorden und gewaltsamen Konflikten.

Autor: Thomas Milz