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Groüzahl der Morde in Amazonas-Landkonflikten bleibt ungesühnt

Die überwältigende Mehrheit der Morde bei Landkonflikten in der Amazonasregion bleibt ungesühnt. Dies geht aus Aussagen von Justizbeamten des Amazonasbundesstaates Para vor einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss in der Hauptstadt Brasilia hervor. Demnach gab es in den vergangenen zehn Jahren in Para 219 Morde in der Folge von Landkonflikten; nur vier Mal kam es zu einer Verurteilung von Tätern, wie die staatliche Nachrichtenagentur Agencia Brasil am Mittwoch meldete.

In weiteren 37 Mordfällen habe es nicht einmal eine Untersuchung gegeben, so der Bericht weiter. Der Hauptgrund sei die mangelnde Präsenz von Polizei und Justiz. So sei zum Beispiel in der Stadt Anapu, in der es über die Jahre zu zahlreichen Verbrechen gekommen war, erst im Jahr 2006 eine Polizeistation eingerichtet worden. In der Amazonasregion herrsche weithin "ein Gefühl der Straflosigkeit", so Gercino da Silva, Präsident der Nationalen Kommission für den Kampf gegen Gewalt auf dem Land des Kongresses in Brasilia.

Der Norden Brasiliens, der die Amazonasregion umfasst, führt die nationalen Statistiken zu gewaltsamen Landkonflikten an. Allein im Jahre 2010 kam es hier zu 21 Morden an Bauern und Umweltaktivisten, 18 davon im Bundesstaat Para. In ganz Brasilien kam es 2010 zu 34 Morden; im Jahr zuvor waren es 26 und 28 im Jahr 2008. Die Statistiken für 2010 führen zudem vier Fälle von Folter, 55 Mordversuche und 125 Morddrohungen auf.

Vor wenigen Wochen entsandte die Regierung in Brasilia eine mehrere Hundert Mann starke Sondertruppe aus Militärs und Polizisten in die Amazonasregion, um auf Todeslisten stehende Aktivisten und Bauern zu schützen.

Quelle: kna