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Google löscht Favelas

Die Favelas von Rio de Janeiro sind nun auch auf Google Maps von der Landkarte gestrichen worden. Das zeigt ein vergleichender Blick auf den Onlinekartendienst. An mehreren Stellen ist nun das Wort „Morro“ zu finden, wo noch 2011 „Favela“ zu sehen war. Laut „Telegraph“ wurde Google von Verantwortlichen der Stadtverwaltung aufgefordert, die Bereiche auf “Google Maps” umzubenennen.

Vor allem in der Außenwirkung sind die Gebiete der Stadtverwaltung und der Tourismusbehörde ein Dorn im Auge. Auch wenn die Sicherheitsbehörden seit Jahren versuchen, die Kriminellen zu vertreiben und die Favelas durch spezielle Polizeieinheiten zu befrieden, kommt eine echte Urbanisierung zu normalen Stadtvierteln nur langsam voran. Bereits seit vier Jahren versucht die Stadt, den negativ besetzten Begriff “Favela” zu eliminieren. Auf Stadtkarten und in Touristenführern sind die Favelas schon lange als grüne Hügel gekennzeichnet.

Tilgung untergabe Existenzberechtigung der Bewohner

Der Schritt des Internetgiganten ruft erneut Kritiker auf den Plan: Zum einen werde damit die Existenzberechtigung der Favela-Bewohner öffentlich untergraben. Zudem hätten sich Touristen früher an dem Wort “Favela” orientieren können, welche Zonen für sie gefährlich seien könnten.

Schon 2011 berichtete Focus Online über eine Auseinandersetzung zwischen dem Internetgiganten und der brasilianischen Metropole. Das Stadtplanungsinstitut Pereira Matos wies darauf hin, dass die Favelas nur 3,8 Prozent des gesamten Stadtgebiets einnehmen würden. Der Google-Stadtplan vermittle hingegen einen anderen Eindruck. „O Globo“ schrieb, selbst die winzigsten Armenviertel seien in der Karte eingezeichnet. Einige Touristenattraktionen sowie normale Stadtviertel seien hingegen ausgelassen worden, so dass Rio wie „eine Ansammlung von Armenvierteln“ wirke.

Etwa ein Drittel der sechs Millionen Einwohner von Rio de Janeiro lebt in Favelas. Die Armenviertel werden wegen der dort verbreiteten Kriminalität und Gewalt von anderen Bewohnern der Stadt oftmals gemieden. 2014 werden in der Metropole Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft ausgetragen, 2016 richtet Rio de Janeiro die Olympischen Sommerspiele aus. Die Stadt hat daher derzeit ein besonderes Interesse an einem makellosen Image. (ml)

Gegenüber 2011 (oben) sind mittlerweile auf Google Maps zahlreiche Favelas in Rio de Janeiro verschwunden. Foto: Goolge Maps/Brasilien Magazin