Bolivien |

Glencore wehrt sich gegen Verstaatlichung

Der Konflikt über Schürfrechte der Colquiri-Mine des Unternehmens Sinchi Wayra, einer Tochter des kanadischen Bergbau-Riesen Glencore, und einer anstehenden Verstaatlichung droht zu eskalieren. Laut Berichten der Tageszeitung »La Razón« kam es am Donnerstag zwischen Sinchi-Wayra-Angestellten und Mitgliedern von selbstständigen Bergbau-Genossenschaften zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Dabei wurde das Vorkommen »Rosario«, das Sinchi Wayra nach Besetzungen durch Kooperativen bereits an diese abgetreten hatte, von Angestellten des Unternehmens wieder unter ihre Kontrolle gebracht.

Bei den neuesten Zusammenstößen hat es mehrere Verletzte und einen bisher nicht bestätigten Todesfall gegeben. »Sie haben uns mit allen Mitteln angegriffen, wir wurden überrascht, sie haben uns eingekesselt und es gab Tote«, berichtete Freddy León von der »Cooperativa 26 de Febrero« in einem Telefon-Interview mit dem katholischen Nachrichtendienst Red Erbol. Auf Anfrage von »La Razón« konnte das Krankenhaus von Colquiri im Departamento La Paz jedoch keinen Todesfall bestätigen.

Die Regierung in La Paz forderte die Konfliktparteien zu Ruhe auf. »Denkt an eure Familien, die Besetzung hat kein Verfügungsrecht zur Folge«, richtete sich Bergbau-Minister Mario Virreria an die Sinchi-Wayra-Angestellten. Diese sollten ihre »radikalen Positionen« aufgeben. Letzte Woche hatte die Linksregierung eine mögliche Verstaatlichung der Colquiri-Minen in Aussicht gestellt.

Sinchi Wayra war bis zu seiner Flucht in die USA 2003 und dem eiligen Verkauf an Glencore Teil des undurchsichtigen Firmengeflechts von Ex-Präsident Gonzalo Sánchez de Losada. 1995 begann das Unternehmen COMSUR, Tochterfirma der Gonzalo-Firma Minera S.A., die Goldmine abzubauen, unter anderem mit Teilfinanzierung der IFC-Weltbankgruppe. Sinchy Wayra wird bis heute weiter von Minera-Personal gemanagt, was teils zu großem Unmut in der Bevölkerung führte. In der Lausitz hat die Minera-Tochterfirma Kupferschiefer (KSL) Konzessionen für den Abbau von Deutschlands größter Kupfermine erhalten. (bb)