Peru |

Giftiges Geld im öl-Dorado

Das ölgeschäft im Amazonasgebiet boomt, seitdem die Regierung die Steuerabgaben für ölfirmen 2003 drastisch senkte. Doch weil dort beheimatete indigene Völker grünes Licht für den Abbau geben müssen, greifen Erdöl-Multis zu altbekannten Mitteln der Überzeugungskunst.

»Diese schlechten Lehrer nutzen ihren guten Ruf aus, den sie in den Gemeinden haben«, beschwert sich Demecio Tangoa Guerra, Präsident der Quechua-Vereinigung von Alto Putumayo. »Sie bieten den Gemeinden 20 Gallonen Benzin im Tausch für ihre Teilnahme. Aber das Schlimmste ist, dass sie sich wie Angestellte von Perupetro verhalten, indem sie Baseball-Mützen und Polo-Shirts der Firma verschenken«, erbost sich Tangoa im Radiosender »La Voz de la Selva« über drei »gekaufte Lehrer« aus Bildungszentren der Region.

Ortsansässige hatten berichtet, wie die beliebten Lehrer ungeniert die Werbetrommel für eine Informationsveranstaltung des ölunternehmens »Perupetro« gerührt hatten. Um bei den Waldbewohnern auf Nummer sicher zu gehen, kaufen sich die Herren aus der Hauptstadt Lima Unterstützung vor Ort. Ende August ist für die staatliche Energiefirma Tag der Entscheidung. Die indigenen Gemeindemitglieder von Angusilla sollen von den Segnungen des öl-Business überzeugt werden. Das in ihrem Territorium liegende »Grundstück 117« ist vom brasilianischen öl-Riesen Petrobras ersteigert worden.

Straßenblockaden im öl-Dorado

Die entlegene Amazonas-Region im Norden Perus ist ein wahres öl-Dorado. ölfirmen aus aller Welt geben sich in Lima die Klinke in die Hand, um am Millionen-Geschäft teilzuhaben. Doch es regt sich Widerstand. Während der heftigen Protestwelle Perus indigener Völker 2009 gegen den Ausverkauf von Wald, Wasser und Boden war auch Alto Putomayo Schauplatz massiver Straßen- und Flussblockaden. Im Eilverfahren hatte der damalige Präsident Alan García ein Gesetzespaket im Rahmen des Freihandelsvertrages (TLC) mit den USA durchs Parlament geboxt. Bei medienwirksamen Verhandlungen mit dem Amazonas-Indigenen-Verband AIDESEP hatte der neokonservative Politiker allein auf Zeit gespielt.

Im Juni 2009 lief das Fass über. Nahe der Kleinstadt Bagua wiedersetzten sich Demonstranten der gewaltsamen Auflösung einer Straßenblockade durch Polizeieinheiten. 33 Menschen kamen ums Leben, darunter 23 Uniformierte. Unter dem Druck ging die García-Regierung schließlich auf Forderungen nach Mitbestimmung ein, die »Ley de Consulta Previa« von Mitte 2010 macht Konsultationen betroffener indigener Gemeinden vor der Durchführung von staatlichen Institutionen zur Pflicht.

ölfirmen spielen Gemeinden gegeneinander aus

Doch wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Anstatt den Gemeinden endlich echte Mitbestimmung bei Entscheidungen zu garantieren, versuchen mächtige Firmen wie »Perupetro« einen Keil in die Waldbevölkerung zu treiben. »Sie betreiben die Spaltung der Gemeinden, die von Beginn an die Anwesenheit von Petrobras abgelehnt haben, wegen der Verschmutzungen, die die ölfirmen in die indigenen Gemeinden bringen«, so der Quechua-Vertreter. In 64 Erdöl-Explorations-Blöcke ist Perus Landkarte mittlerweile eingeteilt, fast drei Viertel des peruanischen Amazonas-Tieflandes von der Größe Schwedens sind zur Förderung frei gegeben und an den Meistbietenden verhökert. Allein in Nationalparks und historischen Stätten darf nicht gebohrt werden.

Demecio Tangoa Guerra will die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen, nur geschlossen kann die Macht der ölmultis gebrochen werden. An AIDESEP-Vorsitzenden Alberto Pizango Chota wurde eine Protestadresse geschickt. Unterstützung kommt zudem von der Vereinigung der Secoya-Indigenen, anderen Quechua-Verbänden, die »Regionalorganisation der indigenen Völker von Ostperu« (ORPIO) hat Hilfe zugesagt. Findet echte Mitbestimmung nicht statt, so werde es »radikale Aktionen« geben, kündigt Tangoa an.

Gegenseitig der Bestechung beschuldigen

Die gekauften Lehrer drehen den Spieß des Bestechungsvorwurfs einfach um. Allein in ihrer Freizeit würden sie die »Sensibilisierungsmaßnahmen« durchführen, Aufklärungsarbeit werde allein am Samstag und Sonntag geleistet. In ihrem misstrauischen Widerstand gegen die ölfirmen seien es die Indigenen-Funktionäre, die zur Spaltung der Gemeinden beitrügen. Den Protest hätten sie längst in ein Geschäft verwandelt, entgegnet der angezeigte Lehrer Manuel Puga Salas. Das Geld der öl-Multis, es entfaltet bereits seine zerstörerische Wirkung.

Autor: Benjamin Beutler