Bolivien |

Gewerkschaft erklärt Generalstreik für beendet

In der Nacht zum Mittwoch hat Boliviens Dachgewerkschaft COB das Ende aller Streikaktivitäten erklärt. 15 Tage hatte COB die 10-Millionen-Einwohnernation teilweise lahm gelegt und eine drastische Rentenerhöhung gefordert. Man werde auf das letzte Angebot der Regierung zur Änderung des Rentengesetzes eingehen, teilte die Gewerkschaftsführung auf einer Pressekonferenz in La Paz mit. Arbeitsniederlegungen Straßenblockaden und Demonstrationen hatten in Bolivien für einen Millionenschaden gesorgt, vor allem Tourismus und Export-Geschäfte sind laut Branchenverbänden besonders betroffen, berichten lokale Medien.

"Wir werden den Streik zeitweilig unterbrechen, alle Druckmaßnahmen aufheben, und an unsere Arbeitsplätze zurückkehren", verlas COB-Gewerkschaftsführer Juan Carlos Trujillo nach einem Funktionärstreffen eine Erklärung. Demzufolge bestehe "für 30 Tage" eine Friedenspflicht. Die Dachgewerkschaft mit rund zwei Millionen Mitgliedern werde aber im "Alarmzustand" bleiben, bis es zu einem schriftlichen Abkommen mit der Regierung der "Bewegung zum Sozialismus" (MAS) komme, wird Trujillo in der katholischen Nachrichtenagentur ERBOL zitiert.

COB-Verhandlungsführer José Luis Delgado nannte den Streik einen „Erfolg“. Man habe eine Rentenzahlung von 70 Prozent des Arbeitsgehalts auf Grundlage der letzten 24 Monate der Gehaltsabrechnungen erreicht. In den Ausstand seit dem 6. Mai war die Gewerkschaft mit der Renten-Forderung nach vollem Lohnausgleich gezogen. Die MAS-Regierung nannte den Vorschlag "politisch“, „illegal“ und "technisch nicht machbar". In einer letzten Verhandlungsrunde hatten Regierungsvertreter schließlich das 70-Prozent-Modell vorgeschlagen. Die COB will bei den anstehenden Wahlen 2014 mit einer eigenen Partei antreten.

Der Streik hatte für harte Fronten gesorgt. Bei der Räumung von Straßenblockaden war auch Polizei eingesetzt worden. Dabei kam es zu Dutzenden von Verhaftungen und mehreren hundert Verletzten auf beiden Seiten. Streikenden Lehrern im öffentlichen Dienst wurde das Gehalt gestrichen. Für den 23. Mai hat die Regierung ihre Anhänger erneut auf die Straßen gerufen. In La Paz werden eine halbe Million MAS-Sympathisanten erwartet. (bb)