Brasilien |

Gewaltwelle in von Polizei besetzter Favela

In der von Sicherheitskräften besetzten Favela Rocinha in Rio de Janeiro ist in der Nacht zum Mittwoch ein Polizist erschossen worden. Verantwortlich für die Tat seien Drogendealer, berichteten Onlinedienste am Mittwoch. Den Angaben zufolge handelte es sich um den neunten Mord innerhalb weniger Wochen. Im vergangenen November waren in einer spektakulären Aktion 3.000 bewaffnete Kräfte in die Favela eingerückt, um Gewalt durch Drogengangs zu unterbinden. Die Polizeipräsenz wurde dann auf zunächst 180 Mann reduziert. In Rocinha leben Schätzungen zufolge zwischen 60.000 und 120.000 Menschen.

Laut den Berichten überraschte eine Patrouille von acht Polizisten in der Nacht eine Gruppe von Drogendealern, die daraufhin das Feuer eröffneten und einen 33-jährigen Polizisten tödlich verletzten. Die Täter konnten fliehen. Bereits Ende März war der Präsident der Anwohnervereinigung von Rocinha ermordet worden. Auch ein Angehöriger der Drogenbande, die die Favela bis zu ihrer Erstürmung durch die Polizei im November 2011 kontrollierte, war vor wenigen Tagen tot aufgefunden worden.

Vor kurzem hatte die Regierung das ständige Polizeikontingent auf 350 Mann verstärkt. Bis Karfreitag sollte deren Zahl auf 700 verdoppelt werden. Bei der Verstärkung soll es sich um Rekruten handeln. Die Regierung verneinte in einer Pressemitteilung, dass es sich dabei um eine Reaktion auf die jüngste Gewaltwelle handle. Vielmehr sollten die Rekruten in Rocinha Erfahrungen sammeln. Zuletzt hatten brasilianische Medien berichtet, Drogendealer würden Polizisten Geld anbieten, damit bestimmte Gegenden der Favela nicht mehr kontrolliert würden.

Seit 2008 hat die Polizei insgesamt 19 Favelas im Stadtgebiet von Rio de Janeiro besetzt, um dort Befriedungseinheiten zu installieren. Weitere 21 Favelas sollen bis zur Fußball-WM 2014 befriedet werden. Insgesamt gibt es rund 1.000 Favela-Slums in der brasilianischen Metropole. Trotz der Polizeipräsenz gingen seit Jahresbeginn rund 1.000 Notrufe ein, die von Drogendealern errichtete Straßensperren anzeigten.

Quelle: KNA