Guatemala |

Gewalt gegen Journalisten nimmt zu

Vasni Vázquez wollte über eine Entführung berichten. Er begab sich zum Tatort, wo ihn Sicherheitskräfte schlugen, von anderen Presseleuten absonderten, ihm Papiere und Geräte abnahmen und dann forderten, er solle seine Beteiligung an der Entführung eingestehen. Ein „emblematischer Fall“ im Bericht zur Pressefreiheit, den das Zentrum für Berichterstattung über Guatemala (Cerigua) vor kurzem veröffentlichte.

Bereits 15 Übergriffe auf Journalisten hat es im ersten Halbjahr 2011 in Guatemala gegeben. Da im vergangenen Jahr insgesamt nur 19 Fälle registriert wurden, sei diese Zahl besorgniserregend hoch, so das Zentrum für Berichterstattung über Guatemala (Cerigua) in seinem vor kurzem veröffentlichten Bericht zur Pressefreiheit.

Neun Journalisten sind bedroht worden, zwei Pressemitarbeitern wurde der Zugang zur Informationsquelle verweigert, ein Journalist wurde verfolgt, es gab zwei Einschüchterungsversuche. Der Fernsehjournalisten Yansi Ordóñez wurde in Nueva Concepción (Department Escuintla) ermordet.

Zuspitzung der Situation im Wahlkampf

Bei der Präsentation des Berichts forderte der Menschenrechtsbeauftragte Sergio Montes nicht nur entsprechende Untersuchungen und Präventionsmaßnahmen der Polizei, sondern auch entsprechende politische Maßnahmen um Pressefreiheit und Sicherheit von Journalisten zu garantieren.

Laut der Analyse von Cerigua durchlebt das Land momentan eine der gewalttätigsten Phasen nach dem Ende des Bürgerkrieges 1996. Mit Beginn des Wahlkampfes im Mai 2011 habe sich die Situation zugespitzt.

Die meisten Angriffe auf Journalisten wurden von lokalen Behördenvertretern, Sicherheitskräften sowie Politikern verübt, die bei den Präsidentschaftswahlen vom 11. September für ein Amt kandidierten. Mit den Wahlen könnte auch die Tatsache in Verbindung stehen, dass erstmals mehr Angriffe in den Departments des Landes verübt wurden als in der Hauptstadt.

Selbstzensur der Journalisten

Nur ein Fall wird mit dem organisierten Verbrechen in Verbindung gebracht. Der Bericht geht allerdings davon aus, dass diese Zahl deshalb so niedrig sei, weil die Journalisten sich eine Selbstzensur auferlegen, da sie sonst um ihr Leben fürchten müssten.

Im Fall der 27 Arbeiter, die vergangenen Mai im Department Peten von Mitgliedern der Drogenbande „Zetas“ umgebracht wurden, gab es die Drohung, nicht mehr über Massaker der Zetas zu berichten, „sonst richtet sich der Krieg gegen die Presse“.

Vasni Vázquez befindet sich seit dem Vorfall im April in Haft. Jemand habe ausgesagt, er habe dem Entführten stets das Essen gebracht. Eine Teilnahme an der Entführung konnte ihm nicht nachgewiesen werden, seine Kollegen vom „Red de comunicadores sociales“ und dem Programm „Q´Rollo“ beschreiben ihn als integren Mitarbeiter.

„Einschüchterungsversuch gegen die Presse“

Vázquez sieht seinen Fall „als einen Einschüchterungsversuch gegen die Presse." Ein anderes Motiv gebe es schlichtweg nicht. Die Organisation Reporter ohne Grenzen fordert bisher erfolglos die Freilassung von Vázquez.

Angaben von Mariano González, Ermittler beim Menschenrechtsbüro des Erzbischofs von Guatemala (ODHAG), unterstreichen das hohe Gewaltniveau im Land, vor dessen Hintergrund sich die Angriffe auf Journalisten abspielen. Demnach sind nach dem Ende des Bürgerkriegs insgesamt mehr als 64.200 ermordet worden. Laut Cerigua gingen Menschenrechtsorganisationen davon aus, dass im Land immer noch täglich zwischen 14 und 16 Personen umgebracht werden.

Autorin: Camila Queiroz in Adital, Deutsche Bearbeitung: Bettina Hoyer