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Gewalt gegen Indigene bleibt auf hohem Niveau

Vater mit seinen beiden Söhnen im Yanomamidorf Watoriki, Brasilien. Foto: Adveniat/ Escher.
Vater mit seinen beiden Söhnen im Yanomamidorf Watoriki, Brasilien. Foto: Adveniat/ Escher.

Die Gewalt gegen Brasiliens indigene Völker bleibt auf einem hohen Niveau. Zu diesem Ergebnis kommt der Indigenen-Missionsrat Cimi in seinem am Donnerstag, 15. September 2016, in der Hauptstadt Brasilia vorgelegten Jahresbilanz 2015. Demnach wurden 137 Indigene ermordet; 2014 waren es 138. Zudem wurden 31 versuchte Morde und 12 Morddrohungen registriert.

Allerdings müsse man von einer deutlich höheren Dunkelziffer ausgehen, da die Daten des staatlichen Indigenen-Gesundheitsdienst Sesai unvollständig seien, hieß es. Seit 2003 wurden in ganz Brasilien insgesamt 891 Indigene ermordet; das entspricht einem Durchschnitt von 68 pro Jahr.

Landkonflikt als Hauptgrund

Ein zentraler Grund für die Gewalt bleiben laut Cimi Landkonflikte, weil die Rückgabe traditioneller Siedlungsgebiete an die Indigenen nur langsam vorangehe. Laut Cimi warten zum Stichtag 31. August 2016 immer noch 654 Indigenen-Territorien auf ihre Anerkennung, rund 59 Prozent der insgesamt 1.113 Gebiete in ganz Brasilien. In 348 Fällen sei dieser Prozess nicht einmal eingeleitet worden.

Ein Brennpunkt der Gewalt war 2015 wie in den Vorjahren auch der westbrasilianische Teilstaat Mato Grosso do Sul mit 36 Morden. Hier kämpfen Indigene des Guarani-Kaiowa-Volkes seit Jahren um die Anerkennung ihrer Territorien; gewaltsame Auseinandersetzungen mit Farmern sind an der Tagesordnung. In dem Teilstaat wurden auch die meisten Suizide unter Indigenen registriert, 54 von landesweit 87. In den Jahren 2000 bis 2015 summiert sich die Anzahl der Selbsttötungen in Mato Grosso do Sul auf 752.

Hohe Kindersterblichkeit

Als erschreckend bezeichnet der Cimi-Report auch die hohe Kindersterblichkeit. Sie liege bei Brasiliens Indigenen im Durchschnitt doppelt so hoch wie in der übrigen Bevölkerung. Am häufigsten sterben die Kinder an Lungenentzündung und Durchfall, also Krankheiten, die bei angemessener ärztlicher Versorgung leicht zu heilen wären.
In Brasilien leben offiziell rund 900.000 Indigene. Millionen von Brasilianern haben jedoch indigene Abstammung. Rund die Hälfte der Indigenen lebt in den Indigenen-Territorien, rund ein Drittel in Städten.

Quelle: KNA.

Cimi ist der Indianermissionsrat der Brasilianischen Bischofskonferenz und wurde 1972 gegründet. Cimi steht für Conselho Indigenista Missionário. Das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat unterstützt den Indianermissionsrat seit seiner Gründung. Gefördert werden Projekte von einzelnen Teams, die Arbeit der Regionalstellen und das Nationalsekretariat.