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Gewalt durch Drogenkonsum in reichen L?€ndern

Kolumbien, Mexiko und die zentralamerikanischen Länder haben die Regierungen der wichtigsten Absatzmärkte für Drogen aufgefordert, eine größere Rolle im Kampf gegen den Drogenhandel und das organisierte Verbrechen zu spielen. Sie verlangen verschärfte Waffenkontrollen und wirksame Maßnahmen gegen die Nachfrage nach den illegalen Suchtmitteln.

"Europa, die USA und viele andere Staaten drängen Zentralamerika zu Steuererhöhungen. Das ist zwar richtig. Mit demselben Nachdruck fordere ich sie aber auf, den Drogenkonsum zu reduzieren", sagte der guatemaltekische Staatspräsident Álvaro Colom auf der ersten internationalen Konferenz zur Unterstützung der Sicherheitsstrategie Zentralamerikas vom 22. bis 23. Juni in Guatemala-Stadt.

Damit reagierte Colom auf Äußerungen des stellvertretenden US-Staatssekretärs für Angelegenheiten der Westlichen Hemisphäre, Arturo Valenzuela, demzufolge Washington den Ländern der Region keine Mittel mehr bereitstellen sollte, deren Steueraufkommen weniger als zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmacht.

An dem zweitägigen Treffen nahmen alle Staatschefs Zentralamerikas teil, neben Colom der nicaraguanische Präsident Daniel Ortega, Laura Chinchilla aus Costa Rica, Mauricio Funes aus El Salvador, Porfirio Lobo aus Honduras und Ricardo Martinelli aus Panama. Auch ihre Kollegen Felipe Calderón aus Mexiko und Juan Manuel Santos aus Kolumbien sowie US-Außenministerin Hillary Clinton und EU-Handelskommissar Karel De Gucht waren anwesend. Organisiert hatte die Konferenz das Zentralamerikanische Integrationssystem SICA.

Länder stoßen bei Drogenbekämpfung an ihre Grenzen

Seit dem Amtsantritt von Colom sind in Guatemala nach offiziellen Angaben Drogen im Wert von 8,7 Milliarden US-Dollar beschlagnahmt worden. Die Region leiste ihren Beitrag zum Kampf gegen die organisierte Kriminalität, betonte der Präsident. "Wir stoßen inzwischen allerdings an unsere Kapazitätsgrenzen."

Zentralamerika, wo insgesamt rund 43 Millionen Menschen leben, gilt als wichtiger Umschlagplatz für den Drogenschmuggel von Südamerika in die USA. Im vergangenen Jahr wurden dort mehr als 18.000 Menschen ermordet. Das entspricht einer Mordrate von 43 pro 100.000 Einwohnern. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO ist die Gewalt in einem Land endemisch, wenn die Mordrate von zehn pro 100.000 Menschen überschritten wird. Experten zufolge hat sich die Lage aufgrund der großen Armut, der tief verwurzelten Korruption und der Schwäche der staatlichen Institutionen immer weiter verschlimmert.

Gefährlichste Region der Welt

Das UN-Entwicklungsprogramm UNDP bezeichnete in seinem Bericht für 2009 und 2010 das ´nördliche Dreieck´ Zentralamerikas – El Salvador, Guatemala und Honduras – als die gefährlichste Region der Welt. In diesen drei Ländern sei die Mordrate fünf bis sieben Mal höher als der weltweite Durchschnitt von neun pro 100.000. In Guatemala werden 48, in El Salvador 52 und in Honduras 58 Morde je 100.000 verzeichnet. Costa Rica, Nicaragua und Panama gelten als erheblich sicherer.

Nachdem die Regierungen von Mexiko und Kolumbien mit finanzieller Hilfe der USA massiv gegen die Drogenkartelle vorgingen, haben die Rauschgifthändler ihre Aktivitäten zunehmend nach Zentralamerika verlagert, wie aus einem Report des US-Außenministeriums von 2010 hervorgeht. Die SICA-Mitglieder, zu denen auch Belize gehört, verlangen nun mehr Unterstützung von der Weltgemeinschaft, um ihre regionale Sicherheitsstrategie ausbauen zu können.

Auch Drogenkonsumstaaten in der Pflicht

Die lateinamerikanischen Staaten sehen vor allem auch die USA und Europa in der Pflicht. "Die hohe Zahl der Rauschgiftkonsumenten in den USA bringe kriminellen Organisationen immer mehr Gewinne", sagte Calderón. Mit den Geldern würden Behördenvertreter bestochen, mehr Waffen in Umlauf gebracht und mehr Menschen erschossen. Diese Situation werde durch die Gier der Waffenindustrie weiter vergrößern.

"Wir wollen nicht mit dem Finger auf andere zeigen", betonte der SICA-Generalsekretär Juan Daniel Alemán. Die Länder wollten aber ihre Anstrengungen im Anti-Drogenkampf stärker ins Zentrum der internationalen Aufmerksamkeit rücken.

Laut einer neuen UNDP-Studie haben die zentralamerikanischen Regierungen im vergangenen Jahr etwa vier Milliarden Dollar in Maßnahmen gegen Gewalt und Unsicherheit investiert, 60 Prozent mehr als 2006. Wie die Präsidenten auf dem Treffen hervorhoben, würden diese Mittel dringend für die Bereiche Gesundheit, Bildung und Armutsbekämpfung benötigt.

Nach Angaben von US-Außenministerin Clinton wird die Regierung von Präsident Barack Obama im dritten Jahr in Folge mehr als zehn Milliarden Dollar zur Finanzierung von Maßnahmen beantragen, die die Nachfrage nach Drogen in den USA drosseln sollen. Zudem stellte sie in Aussicht, die Finanzhilfen zur Verbrechensbekämpfung in Zentralamerika in diesem Jahr um 40 Millionen Dollar auf insgesamt 300 Millionen Dollar zu erhöhen. Internationale Finanzinstitutionen wie die Interamerikanische Entwicklungsbank und die Weltbank sagten für die kommenden Jahre etwa 1,5 Milliarden Dollar zur Unterstützung der zentralamerikanischen Sicherheitsinitiative zu.

Danilo Valladares, IPS-Weltblick