Bolivien |

Gesetz stärkt Rechte von Kinderarbeitern

Bolivien versucht Kinderarbeit menschlicher zu gestalten. Nach langen Verhandlungen zwischen der Gewerkschaft der Kinderarbeiter (UNATSBOL) und der regierenden „Bewegung zum Sozialismus“ (MAS) haben sich die Konfliktparteien auf Verbesserungen geeinigt. Wie die Tageszeitung „Cambio“ mitteilte, ist eine der wichtigsten Forderungen der Kindergewerkschaft, die Vereinbarkeit von Arbeit, Bildung und Gesundheitsversorgung, gesichert.

Die Kindergewerkschaft war davor gegen die geplante Einschränkung von Kinderarbeit auf die Straßen gegangen, wobei es am Regierungssitz La Paz auch zu Scharmützeln mit der Polizei kam. Das „Gesetz für Jungen, Mädchen und Jugendliche“ (NNA), das vergangene Woche von der Abgeordnetenkammer verabschiedet worden und an den Senat weitergeleitet worden war, hatte das Mindestalter für Kinderarbeit auf 14 Jahre angehoben. Diese Regelung sei ohne UNATSBOL beschlossen worden, so die Kritik.

Viele Kinder unter 14 Jahren würden damit ihre Lebensgrundlage verlieren, brachten die Kindergewerkschaftler vor. Nach einem dreistündigen Treffen mit Senatspräsidentin Gabriela Montaño wurde den Kindern mehr Einfluss auf das NNA-Gesetz zugesagt. Der Senat werde die Kinder ab Anfang Januar 2014 anhören und die Norm in ihrem Sinn überarbeiten. Einen Tag vor Weihnachten sagte sogar Präsident Evo Morales ein Treffen mit den UNATSBOL-Vertretern zu.

Das NNA-Gesetz bringt für die rund 850.000 arbeitenden Kinder (28 Prozent aller Kinder im Alter von fünf bis 17 Jahren) Boliviens Verbesserungen. So wird das Recht auf Ausbildung gestärkt, Arbeitgeber müssen zwei Stunden täglich bei Lohnfortzahlung den Besuch einer Bildungsstätte sicherstellen. Familie und Kinderarbeiter müssen den Schulbesuch garantieren und einen Zeitplan erarbeiten, der Arbeit und Schule unter einen Hut bringt. Auch wird erstmals die Lohngleichheit zwischen Erwachsenen und Kindern festgeschrieben. Die Mitgliedschaft in einer Krankenversicherung wird Pflicht.(bb)