Bolivien |

Gericht urteilt im YPFB-Skandal

Der wegen Korruption verdächtigte Ex-Präsident von Boliviens staatlicher Energiefirma YPFB, Santos Ramírez, ist am 26. Januar zu einer 12-jährigen Haftstrafe verurteilt worden. Das Gericht in La Paz sah es als bewiesen an, dass der langjährige Weggefährte von Präsident Evo Morales und Mitbegründer der regierenden »Bewegung zum Sozialismus« (MAS) in betrügerische Geschäfte mit der Privatfirma »Catler Universe« verwickelt ist und dem Staat einen hohen wirtschaftlichen Schaden zugefügt hat.

Zwischen »Catler Universe« und YPFB hatte Ramírez einen Vertrag zum Bau einer Flüssiggas-Anlage im Tiefland-Departamento Santa Cruz abgeschlossen. Dabei war es zu hohen Schmiergeld-Zahlungen gekommen, was im Frühjahr 2009 durch einen Raubmord ans Licht der öffentlichkeit drang. Damals war der Geschäftsmann Jorge O’Connor D’Arlach in der Hauptstadt La Paz auf offener Straße überfallen und ermordet worden. Dem Opfer und Teilhaber von »Catler Universe« war ein Koffer mit 450.000 US-Dollar Bargeld entwendet worden.

Weil sich O´Connor auf dem Weg zu Verwandten der Familie der Ehefrau des YPFB-Chefs befand, stellten Ermittlungen der Polizei schnell eine direkte Verbindung zwischen dem Geldkoffer und Ramírez her. Auf Druck von Präsident Morales, dessen Regierung sich den Kampf gegen Korruption auf die Fahnen geschrieben hat, wurde Ramírez wenig später seines Amtes enthoben, die Staatsanwaltschaft eröffnete ein Verfahren gegen ihn. Von insgesamt 16,5 Millionen US-Dollar an Steuergeldern, die Ramírez für das YPFB-Projekt an das beteiligte US-Unternehmen »Gulsby Process Systems« und »Catler Universe« gezahlt hat, konnten Behörden bisher neun Millionen US-Dollar zurückgewinnen. (bb)