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Gensoja bedroht Existenz der Imker

Die Bienen und die 40.000 Familien, die sich in Mexiko der Bienenzucht widmen, sind gefährdet. Grund ist der Vormarsch des Gen-Anbaus in den vergangenen Jahren. Das Alarmsignal löste der Europäische Gerichtshof aus.

Er urteilte am 6. September, dass „der Honig und die Nahrungsmittelbestandteile die Pollen enthalten, die von einem genveränderten Organismus (GVO) stammen, als auf der Grundlage von GVO produzierte Nahrungsmittel gelten und nicht ohne vorherige Genehmigung gehandelt werden dürfen“. Diese Entscheidung kann nicht als protektionistisch angesehen werden, denn auch die europäischen Imker müssen sie einhalten.

Pilotaussaat von Gensoja gefährdet Imkerei

In Mexiko werden jährlich etwa 57.000 Tonnen Honig produziert, ungefähr 30.000 Tonnen gehen in den Export. Wichtigster Bestimmungsort ist Europa, an erster Stelle Deutschland. Aber in 2011 hat das mexikanische Landwirtschaftsministerium unter dem Schutz des Gesetzes über Biosicherheit und genveränderte Organismen einem Antrag des Monsanto-Konzerns auf die so genannte Pilotaussaat von Gensoja der Marke Roundup Ready stattgegeben. Pflanzen dieser Marke sind resistent gegen Unkrautvernichtungsmittel. Die Genehmigung der Pilotaussaat gilt für 30.000 Hektar auf der Halbinsel Yucatán sowie für 12.000 Hektar im Bundesstaat Chiapas und insgesamt 4.000 Hektar in der Region Huasteca im Gebiet der Bundesstaaten Tamaulipas, San Luis Potosí und Veracruz.

Honig als bäuerliche Einkommensquelle

Die Bundesstaaten Campeche, Yucatán und Quintana Roo bilden die Hauptregion, in der Honig produziert und exportiert wird. Sie genießt internationales Prestige aufgrund ihrer einzigartigen Blütenqualität. In der Region konzentriert sich die Mehrheit der Imker: 25.000 von ihnen gehören den Mayas an. Sie produzieren nicht nur Honig, sondern ernähren sich und ihre Familien auf der Basis einer diversifizierten Landwirtschaft.

In Chiapas handelt es sich bei 85 Prozent der Produzenten um Kleinimker, die die Bienenzucht mit der Landwirtschaft kombinieren. Die genannten Bundesstaaten sind die wichtigsten bei der Produktion von Biohonig.

Honig als eine Quelle der bäuerlichen Produktion, von Einkommen und Ausdruck einer Lebensform ist durch die Absichten der Agro-Industrie bedroht, die grünen Wüsten aus Gensoja und Genmais im Südosten des Landes, aber auch in der Huasteca und anderen Bundesstaaten, wachsen zu lassen.

Agrochemikalien zerstören Bienenstöcke

Gensoja ist abhängig vom Glyphosat – ein als höchst giftig geltendes Pestizid –, aber beim Anbau werden auch Agrochemikalien verwendet. Viele dieser Mittel sind in der Europäischen Union verboten. Andere haben zum Verlust tausender Bienenstöcke in den USA und Frankreich geführt.

Damit genverändertes Soja rentabel ist, muss es auf zusammenhängenden Großflächen angebaut werden. Darum geht der Anbau dieser Monokultur einher mit der Verdrängung der Kleinbauern und Kleinbäuerinnen, indem deren Parzellen gepachtet oder gekauft werden. In diesem Jahr wurden von den 30.000 genehmigten Hektar bereits 14.000 Hektar mit Soja bebaut. Diese Felder wurden über das System des Vertragsanbaus fast ausschließlich von auswärtigen Produzenten kontrolliert.

Gensoja und ölpflanzen statt Mais

Da Soja keine traditionelle Anbaukultur in der Region ist, erfolgt ihr Vormarsch auf Kosten anderer Produkte, in erster Linie zu Lasten des in der Regenzeit angebauten Maises. Die von Monsanto im Rahmen der Genehmigungsanträge vorgelegten Karten umfassen enorme Flächen der yucatekischen Halbinsel. Dort kann sich genverändertes Soja ausbreiten, wenn es zur kommerziellen Phase kommt.

Das Landwirtschaftsministerium unterstützt sowohl den konventionellen als auch den Gensoja-Anbau mit öffentlichen Subventionsprogrammen. 2011 garantierte es den Sojabauern und -bäuerinnen einen Mindestpreis von 4.690 Pesos (ca. 260 Euro) pro Tonne. Das landwirtschaftliche Umstellungsprogramm zielt zudem darauf ab, den Anbau von Grundnahrungsmitteln, der nach den dort angeführten Kriterien ein „niedriges Produktionspotential“ hat, durch ölhaltige Pflanzen zu ersetzen. Dafür bewilligt es eine Subvention von 30 Prozent des Technologiepaketes, bis maximal 750.000 Pesos (ca. 41.670 Euro) pro Produzent.

Bienenzüchter brauchen Unterstützung

Sowohl das Landwirtschafts- als auch das Wirtschaftsministerium suchen angesichts des europäischen Gerichtsurteils nach Lösungen, die nicht die Aufhebung der Anbaugenehmigungen für Gensoja implizieren, wie von Imkern und Wissenschaftlern gefordert. Vielmehr wollen sie den Gegner aus dem Weg schaffen und sich an das Streit-Schlichtungspanel bei Handelshemmnissen der Welthandelsorganisation wenden. Das Problem ist jedoch nicht, dass Europa den Handel von genverändertem Honig verbietet, sondern dass einzig dessen Etikettierung verlangt wird.

Verfasserin: Ana de Ita, Quelle: poonal

Der Originalartikel erschien am 17.12.2011 in der mexikanischen Tageszeitung “La Jornada”.

Foto: Gonzales G. Guzeta/Flickr