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Generalstreik gegen Ausverkauf von Ressourcen

Mit Demonstrationen und Straßenblockaden begann am Donnerstag ein auf 48 Stunden angesetzter regionaler Generalstreik in den südlichen Provinzen Puno, Cusco und Madre de Dios. Große Teile der Bevölkerung protestieren damit gegen den Ausverkauf von Ressourcen, insbesondere den Bau einer Erdgasleitung nach Brasilien und den Bau des Wasserkraftwerks von Inambari. Die peruanische Ausgabe der Zeitung La República berichtet, dass sich in der Stadt Cusco mehr als 30.000 Menschen den gestrigen Demonstrationen angeschlossen hätten. In vielen Orten blieben Schulen und öffentliche Einrichtungen geschlossen, der öffentliche Nahverkehr stand still, heißt es in peruanischen Presseberichten. Zu dem Streik hatten Umweltorganisationen, soziale Organisationen und Gewerkschaften aufgerufen. Bisher seien die Proteste friedlich verlaufen, auch wenn zentrale Verkehrsadern blockiert worden sind, wie etwa die Brücke von Inambari, berichtet Correo de Puno.

Erst am vergangen Mittwoch hatten der peruanische Präsident Alain Garcia und sein brasilianischer Amtskollege Luiz Inácio Lula Da Silva in Manaos (Brasilien) letzte Diskussionspunkte an der Übereinkunft zur Zusammenarbeit auf dem Energiesektor zwischen Peru und Brasilien geklärt.

Die Peruanische Gesellschaft für Umweltrecht (SPDA) kritisiert diese Entscheidung. Sie fürchtet, dass mit brasilianischem Kapital bis zu 6 Megakraftwerke gebaut werden, wodurch tausende Hektar einzigartiger Biodiversität und das Land von indigenen Völkern und Bauern und Bäuerinnen überflutet werden würden, erklärte Mariana Castro von SPDA gegenüber der Zeitung El Mundo. In keinem einzigen der 15 Artikel des Vertrages sei die genaue Zahl der zu bauenden Kraftwerke geregelt worden, auch fehlten konkrete Ortsangaben zu den geplanten Standorten der Kraftwerke, so die Umweltschützerin.

Aus der Energieleistung aller geplanten Kraftwerke sollen, laut Artikel drei der Vereinbarung zwischen Brasilien und Peru, maximal 6.000 Megawatt nach Brasilien exportiert werden. So soll das Wasserkraftwerk Inambari jährlich eine Leistung von ca. 2.000 Megawatt Leistung erbringen und nach Angaben des peruanischen Energie- und Bergbauministeriums MINEM wird der Bau etwa vier Milliarden US-Dollar kosten. Es würden 200.000 Hektar Land beim Aufstauen des Flusses Inambari überflutet, wenn der Fluss in den Provinzen Cusco, Puno und Madre de Dios aufgestaut würde, berichtet das Portal Infoamazonas unter Bezug auf das brasilianische Konsortium Egasur, welches mit der Erstellung von Studien beauftragt worden sei.

Bereits seit Bekanntgabe der Projekte gibt es starken Widerstand in den betroffenen Regionen. Das einheimische Gas solle für die Deckung des Bedarfs im eigenen Land verwendet werden, statt es nach Brasilien zu exportieren, so die Kritik der Protestierenden im Bezug auf die geplante Gasleitung.

Am 26. Juni wollen die Organisatoren des Streiks zusammenkommen, um über weitere Aktionen zu beraten. Auch eine Ausweitung des Generalstreiks auf das ganze Land werde in Betracht gezogen, berichtet die peruanische Ausgabe der Zeitung La República.

Autorin: Bettina Hoyer