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Gefängnispastoral gegen Schaffung 60.000 neuer Plätze

Die brasilianische Gefängnispastoral lehnt den Plan der Regierung ab, 60.000 neue Plätze in den Haftanstalten zu schaffen. In einem Brief an Justizminister José Eduardo Cardozo heißt es, das Vorhaben mit einer Frist bis zum Jahr 2014 gehe genau in die falsche Richtung. Die Gefängnispopulation Brasiliens müsse verringert werden, der Bau neuer Gefängnisse stelle keine Lösung dar. Es sei Aufgabe der Regierung, eine angemessene Politik zu entwickeln. Brasília dagegen argumentiert mit der katastrophalen Überfüllung der Gefängnisse.

Freigang und vorzeitige Haftentlassung verweigert

Die Gefängnispastoral weist darauf hin, dass vielen Insassen nicht der fällige Freigang oder eine vorzeitige Entlassung aus der Haft gewährt werde, sie blieben unberechtigterweise im Gefängnis. Brasiliens Gefängnispopulation ist in den vergangenen 20 Jahren um 350 Prozent angewachsen. Zudem wurden in keinem Land in den vergangenen Jahren mehr neue Gefängnisplätze geschaffen. Einer Statistik zufolge beträgt die Zahl der Plätze in diesem Jahr 306.000, die sich auf 1.312 Haftanstalten im ganzen Land verteilen. Allein die Zahl der Insassen wegen Drogenhandel beträgt 125.000.

Begünstigung von Privatunternehmen?

Kritiker sehen die Regierungspläne auch vor dem Hintergrund von immer mehr Befürwortern in der Administration, die eine Privatisierung des Gefängnissystems fordern. Dieser Meinung schließt sich auch die Gefängnispastoral an. Es gebe außer den genannten Gründen handfeste ökonomische Interessen. Mehrere brasilianische Bundesstaaten haben bereits den Weg der Privatisierung eingeschlagen, darunter Bahia, Minas Gerais und Amazonas. Pater Valdir João Silveira, landesweiter Koordinator der Gefängnispastoral, kritisiert, dieses Betreibermodell begünstige lediglich die Unternehmer. (bs)

Quelle: agencia pulsar