El Salvador |

Gedenken an Priester Alirio Napoleün Mac?­as

Vor 30 Jahren, am 4. August 1979, starb der salvadorianische Priester und Adveniat-Projektpartner Alirio Napoleón Macías. Wie knapp acht Monate später auch Erzbischof Óscar Romero, wurde er am Altar erschossen.

Am folgenden Tag berichtet Erzbischof Romero in einer Predigt zum Fest des heiligen Erlösers, dem salvadorianischen Nationalfeiertag, der auch von der Kirche mit Prozessionen und mehrtägigen Feierlichkeiten begangen wird: „ ... diese heutige Messe soll ein Zeichen der Solidarität mit unserer Schwesterdiözese San Vicente sein, die trauert, weil man gestern Morgen ihren Padre Alirio Napoleón Macías, den Pfarrer von San Esteban Catarina, ermordet hat. Als guter Priester war er gerade damit beschäftigt, den Altar und die Kirche zu reinigen. Da bemerkte er, dass seine Mörder sich bereits vor der Kirche befanden. Die Leute berichten, dass der Padre warnend rief: „Die sind von der Polizei, Vorsicht!“ Und schon, indem sie einen persönlichen Besuch bei ihm vortäuschten, feuerten sie ihre Waffen mitten in der Kirche ab. Zwischen Sakristei und Altar fiel sein Körper von Schüssen durchlöchert zu Boden. Seine liebe Mutter lief voller Angst zu ihm. Sie sagt, dass sie sah, wie er noch einmal die Augen öffnete. Aus seiner Nase liefen zwei Ströme von Blut. Dann starb er ...“

Erzbischof Romero bezeichnet Alirio Macías Tod in derselben Predigt als Ansporn, sich für Gerechtigkeit, Frieden, das Ende der Leiden des salvadorianischen Volkes und die Einheit der Kirche einzusetzen. Der Erzbischof war immer wieder erschüttert, dass in seinem Land Katholiken ihre Glaubensbrüder hinrichteten. Romero weiter: „Wir bekennen als Kirche unsere Sünden und haben sie in Buß- und Bettagen in allen Diözesen beweint und bedauert. Ich bitte den Herrn darum, dass so viel Flehen, so viel gelebte Treue zum Evangelium in unserer Diözese, so viel Blut guter Menschen den Segen des Herrn anziehe, den unser Volk so sehr braucht.“

Alirio Macías gehörte jener Gruppe lateinamerikanischer Priester an, die seit dem Ende der 1970er Jahre, inspiriert durch die Theologie der Befreiung und ihre bevorzugte Option für die Armen, eine Pastoral der Bewusstseinsbildung betrieben und sich für die Entwicklung und Förderung kirchlicher Basisgemeinden einsetzten. So veranstaltete er Einkehrtage, bei denen es auch um die unmittelbaren Bedürfnisse der armen Gemeinden ging. Er rief Gesundheits- und Landwirtschaftsprojekte sowie Alphabetisierungsprogramme ins Leben und setzte sich für eine Versorgung der Bevölkerung mit Elektrizität und Trinkwasser ein. Auf diese Weise wurde er, wie Tausende andere Salvadorianerinnen und Salvadorianer, die sich aus christlicher Motivation für die Armen ihres Landes einsetzten, zur Zielscheibe der Machthabenden. Nicht umsonst charakterisierte Erzbischof Romero die Ermordung Macías als Teil einer systematischen Verfolgung der salvadorianischen Kirche.

Das Andenken an Alirio Macías ist bis heute in den salvadorianischen Gemeinden lebendig. In diesen Tagen werden sich auch in diesem Jahr hunderte von Menschen in Padre Alirios Pfarrei San Esteban Catarina versammeln, um an das Zeugnis seines Lebens zu erinnern, damit es weiterhin Ansporn für Solidarität mit und unter den Armen sei.