Guatemala |

Gedenken an die 45.000 Verschwundenen des Bürgerkriegs


Das aus verschiedenen zivilgesellschaftlichen Organisationen bestehende Aktionsbündnis „Genocidio Nunca Más“ GNM (dt.: Nie wieder Völkermord) erinnerte seit dem vergangenen 18. Juni mit verschiedenen Veranstaltungen an die mehr als 45.000 Fälle von Verschwindenslassen, die seit über 30 Jahren ungeklärt sind. Das Bündnis forderte Gerechtigkeit für die während des Bürgerkrieges zwischen 1960 und 1996 verschleppten Frauen und Männer, unter ihnen Studenten, Intellektuelle, Gläubige, Bauern, Indigene und Aktivisten, unter denen sich auch 27 Gewerkschaftsführer des landesweiten zentralen Gewerkschaftsbundes CNT befanden.

Seit 2004 wird in Guatemala jährlich am 21. Juni der „Nationale Tag der Gewaltsam Verschwundenen“ begangen. Nach vielen Demonstrationen der Grupo Apoyo Mutuo (GAM), die bereits im Jahr 1990 begonnen hatten, willigte das guatemaltekische Parlament ein, einen solchen Gedenktag auszurufen. Mit diesem Tag wolle man die Geschichte aufarbeiten und die Bevölkerung dazu einladen, die Wahrheit kennen zu lernen, so das Organisationsbündnis GNM. Das Bündnis fordert vom Parlament die Umsetzung einer Gesetzesinitiative zur Bildung einer Kommission, die sich mit der Suche nach den Verschwundenen befassen soll.

Die Fälle von Verschwindenslassen sind nach mehr als 30 Jahren noch immer nicht aufgeklärt, die Täter nicht zur Rechenschaft gezogen. Die Einrichtung eines Gedenktages für die Verschleppten habe auch dazu beigetragen, diese aus politischen Motiven und von staatlichen Organen angewandte Praxis einzudämmen, erklärte das Bündnis. Menschenrechtsorganisationen hätten dadurch außerdem eine bessere Ausgangposition, wenn sie die Strafverfolgung der in der Vergangenheit begangenen Verbrechen gegen die Menschlichkeit einforderten.

Die Wahrheitskommission zur Aufklärung der Geschichte kommt in ihrem Bericht „Erinnerung an das Schweigen“ (Memoria del Silencio) zu dem Schluss, dass das gewaltsame Verschwindenslassen ein systematisch begangenes Delikt staatlicher Stellen während des Bürgerkrieges gewesen sei. (bh)

Quelle: adital