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Gedenken an Carandiru-Massaker

Innenstadt von São Paulo. Foto: Adveniat/Bauerdick
Innenstadt von São Paulo. Foto: Adveniat/Bauerdick

Mit einem Gedenkmarsch gegen Polizeigewalt durch die Millionen-Metropole São Paulo haben Menschenrechtsorganisationen dem 22. Jahrestag des Massakers von Carandiru gedacht. Wie die Tageszeitung O´Globo berichtet seien am Donnerstag, den 2. Oktober 2014 mehrere hundert Menschen durch die Bundeshauptstadt gelaufen, um an den tragischen Tod von 111 Häftlingen Anfang der 1990ger zu erinnern.

"Unsere Toten haben eine Stimme", lautete laut Débora Silva von der Menschenrechtsorganisation "Mai-Mütter" das Motto des Trauermarsches in Gedenken an einen von der Militärpolizei am 2. Oktober 1992 brutal niedergeschlagenen Gefängnisaufstand in der damals größten und mit 8000 Menschen völlig überfüllten Haftanstalt Südamerikas. Gemeinsam mit 16 Organisationen drückte das Bündnis "all denjenigen, welche die alltäglichen Massaker überlegen" ihre Solidarität aus, zitiert O´Globo aus einem Flugblatt.

Auf den Tag genau vor 22 Jahren waren bei einer Aufstandsniederwerfung im Gefängnis Carandiru im Norden von Sao Paulo 102 Gefangene von Sicherheitskräften erschossen worden, die meisten von ihnen mit Schüssen in den Kopf und die Brust. Die anderen Opfer erlagen Stichverletzungen. Der Kommandant der Eingreiftruppe Ubiratan Guimarães war wegen Mordes in 102 Fällen 2001 zu einer Freiheitsstrafe von 632 Jahren verurteilt, später aber freigesprochen worden. Unbekannte ermordeten den Militär 2006 in seiner Wohnung. 45 Militärpolizisten wurden in den Folgejahren zu langen Haftstrafen verurteilt. Das Gefängnis wurde 2002 geschlossen. (bb)