Kolumbien |

Gauck fordert Aufklärung des bewaffneten Konflikts

Bundespräsident Joachim Gauck hat sich zum Auftakt seiner Lateinamerika-Reise in Bogota für eine umfassende Aufklärung und Dokumentation des gewaltsamen Konflikts in Kolumbien ausgesprochen. Angesichts der Vielzahl der Opfer sei es zwar nicht möglich, "alle Menschen vor Gericht zu stellen, die da eigentlich hingehörten, aber dann ist es wichtig, dass man wenigstens Archive öffnet, Zeitzeugenprogramme schafft, um die wirkliche Wahrheit vor aller Augen hinzustellen", sagte Gauck am Donnerstag, 9. Mai, (Ortszeit) vor Journalisten. "Hier stehen sich die Menschen in einer Art von Todfeindschaft gegenüber, das ist ein sehr komplizierter Prozess. Ohne Wahrheit wird es nie eine innere Versöhnung gegeben", fügte Gauck hinzu.

Das deutsche Staatsoberhaupt sieht zudem auf das südamerikanische Land große gesellschaftliche Herausforderungen zukommen: "Bringen Sie einmal einer Bevölkerung bei, die die Herrschaft der Gewalt traditionell erlernt hat, dass nicht Gewalt, sondern das Recht eine große Bedeutung hat", sagte der Bundespräsident. Zur Stärkung der staatlichen Institutionen sei auch ein Elitenwechsel in der Armee und Polizei notwendig. Eine glaubwürdige Armee und Polizei sei nur diejenige, die nicht in die Gewalttaten verstrickt sei.

Zu Beginn seiner neuntägigen Lateinamerika-Reise, die Gauck am Sonntag, 12. Mai, auch nach Brasilien führt, besuchte der Bundespräsident mit seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt die älteste Kirche Bogotas sowie die Hauptstadtkathedrale. Mit seinem Besuch will Gauck die derzeit in der kubanischen Hauptstadt Havanna stattfindenden Friedensgespräche zwischen der kolumbianischen Regierung und der Guerilla-Organisation FARC unterstützen. Die Friedensgespräche haben Mitte Oktober in Oslo begonnen und werden seitdem etappenweise in Havanna fortgesetzt. Kolumbiens Unterhändler stellen in Aussicht, die FARC nach einer Einigung als politische Partei anzuerkennen, um den Konflikt zu beenden.

Mit rund 9.200 Kämpfern ist die 1964 entstandene FARC die größte lateinamerikanische Rebellenorganisation. Ihr werden schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen. Die Europäische Union stuft sie als Terror-Organisation ein.

Quelle: KNA