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Fuüballspieler Kaka: "Verfolgt wegen Jesus"

Brasiliens Fußballstar Kaka fühlt sich von der brasilianischen Presse wegen seiner offen gezeigten Religiösität verfolgt. Nach seinem Platzverweis im Spiel gegen die Elfenbeinküste musste sich der Mittelfeldspieler von Real Madrid zudem in diversen Internetforen verspotten lassen. "Du hast gesündigt" schrieben Fans; er müsse nun wohl extra was an seine evangelikale Pfingstsekte spenden, vermuteten sie. Kaka, der brave Schwiegersohntyp der, statt Parties zu besuchen, lieber in der Bibel liest, reagierte gereizt und machte Brasilien Sportpresse für den auf ihn niedergehenden Spott mitverantwortlich.

Nach dem Spiel warf Kaka Brasiliens Top-Sportjournalisten Juca Kfouri vor, eine Medienkampagne gegen ihn ausgelöst zu haben. "Er hat schwere Geschütze gegen mich aufgefahren," so Kaka über Kfouri. "Aber nicht aus sportlichen Gründen, was mich noch trauriger macht. Sein Problem mit mir ist dass ich offen über meinen Glauben an Jesus spreche," so Kaka weiter. Kaka gilt als einer der Anführer eines Teils der Mannschaft, die offen ihre Zugehörigkeit zu evangelikalen Pfingstkirchen propagiert. So trägt er unter seinem Trikot stets ein T-Shirt mit der Aufschrift "I belong to Jesus", tritt öffentlich für die brasilianische Renascer-Kirche auf und ist bekanntermaßen deren größter Spender. Seine Frau hat bereits angekündigt einen Renascer-Tempel in Madrid aufbauen zu wollen.

All dies, meint Kaka, habe jedoch keinen Platz in der Sportpresse. "Genau wie ich respektiere, dass Kfouri Atheist ist, möchte ich, dass er mich als jemand respektiert, der den Glauben durch Jesus Christus verbreitet. Und ich wünsche mir von ihm, dass er nicht nur mich respektiert, sondern auch die Millionen von Brasilianern die an Gott glauben."

Kfouri reagierte in seinem Internetblog auf Kakas Vorwürfe. "Kaka täuscht sich und hat Jesus ins Spiel gebracht obwohl das nichts mit Jesus zu tun hat. Was ich kritisiere, ist das religiöse Merchandising, das er und andere Spieler stets betreiben und mit dem sie versuchen, uns ihre religiösen Ansichten reinzuwürgen," so Kfouri. "Dies ist derart übertrieben, dass die FIFA sich genötigt sah, solche Szenen wie die nach dem Sieg beim Konföderationen-Cup zu verbieten."

Nach dem Sieg Brasiliens beim Konföderationen-Cup letztes Jahr in Südafrika kniete das gesamte Team am Mittelkreis nieder und vollzog eine religiöse Zeremonie. Laut Anordnung der FIFA sind derartige Manifestationen nun untersagt, ebenso wie unter den Trikots getragene T-Shirts mit jedweden Botschaften. Auf den Twitterseiten der Spieler kann man jedoch weiterhin den Dialog mit ihren religiösen Gurus verfolgen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Kaka wegen seiner religiösen Zugehörigkeit zu Renascer über die Sportseiten hinaus Aufmerksamkeit findet. In den letzten Jahren häuften sich die Prozesse gegen die Renascer, deren Gründer in den USA eine Haftstrafe wegen Devisenschmuggels absitzen mussten. Sie hatten bei der Einreise $56,000 in der Bibel eines ihrer Kinder versteckt. In Brasilien ermittelt die Staatsanwaltschaft zudem wegen Steuerhinterziehung gegen die Renascer, wobei Kaka als Zeuge befragt wurde.

Die evangelikalen Pfingstgemeinden erheben von ihren Mitgliedern den sogenannten "Kirchenzehnten", also zehn Prozent des Einkommens, als Spende. Im Fall des Millionen Euro verdienenden Kaka dürfte dies ein nicht unerheblicher Betrag sein.

Autor: Thomas Milz