Chile |

Fünf Mapuche-Kinder bei Polizeiaktion angeschossen

Bei einer Räumungsaktion der Polizei in der Mapuche-Gemeinde Temucuicui (Region Araucanía) sind Anfang der Woche fünf Kinder durch Gummigeschosse verletzt worden. Die Mapuche hatten den Grundbesitz „La Romana“ besetzt, den sie als Teil ihres angestammten Territoriums ansehen und deren Rückgabe sie fordern. Die Polizei habe aus nächster Nähe auf Frauen, Kinder und Alte geschossen, erklärte der Sprecher der Gemeinde, Mijael Carbone.

Dabei seien zwei Kinder im Alter von zwölf und 16 Jahren verletzt worden. Drei weitere Kinder seien von der kasernierten Polizei im Zuge der Krankenhauseinlieferung von Verletzten beschossen worden, berichtet die Nachrichtenagentur Púlsar.

Rücktritt des Polizeichefs gefordert

Nach Angaben von Radio Bio Bio habe die Polizei die Attacken bestätigt. Die Verletzten hätten jedoch versucht, „Verhaftete zu befreien“, begründete die Polizei ihr Vorgehen, ohne auf die Verwendung von Gummigeschossen weiter einzugehen. Auf Fotos im Internet sind Kinder zu sehen, die an Kopf, Hüfte und Rücken verletzt wurden.

Die Mapuche betonen, dass die von 60 Menschen durchgeführte Besetzung des Grundstücks friedlich gewesen sei. Bei der Räumung sei die Polizei äußerst brutal vorgegangen und habe Tränengas und Gummigeschosse eingesetzt. Zwölf Personen seien verhaftet worden, darunter auch drei Minderjährige. Der Gewerkschaftsverband Chiles (CUT) und die betroffene Mapuche-Gemeinde fordern wegen des brutalen Einsatzes der Sicherheitskräfte den Rücktritt von Polizeichef Gustavo González. Außerdem fordern sie Aufklärung darüber, wer den Befehl für das Abschießen von Gummigeschossen aus nächster Nähe gegeben habe.

Militarisierung der Region nach Tod eines Polizisten

Die Regierung hatte als Reaktion auf die Forderungen der Mapuche nach Landrückgabe und deren Besetzungsaktionen mit einer Verstärkung der Polizeipräsenz reagiert und die Gründung eines Sicherheitskomitees angekündigt, nachdem bei einer Razzia in der Mapuche-Gemeinde Wente Winkul Mapu im Verwaltungsbezirk Ercilla (Provinz Araucanía) ein Polizist ums Leben gekommen war.

Nach einer erneuten Razzia Anfang Juni diesen Jahres, bei der sieben Personen verletzt wurden, drei von ihnen schwer, hatte die Ombudsstelle in Temuco die UNO um eine Intervention des Sonderbotschafters für Indigene Rechte ersucht. „Die Polizei sei mit unverhältnismäßiger Gewalt gegen die Bewohner vorgegangen“, heißt es in dem Schreiben der Ombudsstelle. (bh)