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Fünf Geheimdienstangehörige der Diktatur verurteilt

Die chilenische Justiz hat den ehemaligen Chef des Geheimdienstes DINA sowie vier weitere Ex-Offiziere zu 15 Jahren Haft verurteilt. Gegenstand des Prozesses war die Entführung von Claudio Contreras , eines jungen Linksaktivisten gegen die Pinochet-Diktatur im Jahr 1975. Der Mann tauchte nie wieder auf. DINA, der berüchtigte Geheimdienst, bestand von 1973 bis 1977 und machte sich zahlreicher Menschenrechtsverletzungen schuldig. Der Sonderrichter Alejandro Solís sprach das Urteil gegen die fünf Angeklagten Manuel Contreras Sepúlveda, Marcelo Moren Brito, Rolf Wenderoth Pozo, Gerardo Godoy und Fernando Lauriani Maturana.

Pinochet rechnete mit Opposition ab

Sepúlveda sollte während der gesamten Dauer der Pinochet-Diktatur, von 1973 bis 1990, Geheimdienstchef bleiben. Wegen anderer Menschenrechtsverletzungen war er bereits zu einer Gefängnisstrafe von über 200 Jahren verurteilt worden. Auch die vier anderen Angeklagten hatten bereits Strafen erhalten. Claudio Contreras, damals 27 Jahre alt, war Mitglied der Bewegung der Revolutionären Linken (MIR). Er wurde am 7. Januar 1975 vom Geheimdienst entführt. Zeugenaussagen zufolge wurde der junge Mann zusammen mit zwei weiteren MIR-Anführern ergriffen. In einem Geheimgefängnis folterten Pinochets Schergen ihn. Contreras stand auf der Suchliste des Geheimdienstes seit dem Putsch von General Pinochet gegen den demokratisch gewählten Präsidenten Salvador Allende am 11. September 1973. Nach Angaben chilenischer Menschenrechtsgruppen wurden während der Diktatur über 5.000 Menschen ermordet. Weitere 50.000 erlitten Verfolgung, Gefängnis und Folter.

Diktatur überwachte 761 Journalisten

Wie die Nachrichtenagentur dpa kürzlich in Geheimarchiven herausfand, hatte die Pinochet-Diktatur auch ausländische Journalisten im Visier. Auf einer Liste aus dem Jahr 1976 befinden sich 761 Namen. Zu diesen zählten auch Auslandkorrespondenten aus Deutschland, Italien, England und den USA. Unter den Observierten befanden sich die Journalisten Claus Börner vom WDR, Hero Buss vom “stern”. (bs)

Quellen: www.agenciapulsar.org ; www.latercera.com