Guatemala |

Friedensarchiv geschlossen

Das Friedensarchiv in Guatemala-Stadt ist Ende Juni geschlossen worden. Dies berichtet die Nachrichtenagentur TeleSur. Das Archiv war 2008 unter der Vorgängerregierung von Álvaro Colom im Jahr 2008 eingerichtet worden und hatte sich anderem der Aufarbeitung von Militär- und Polizeiarchiven gewidmet, die während des internen bewaffneten Konflikts (1960-1996) angelegt worden wurden.

Angehörige von Opfern des Bürgerkrieges, Mitarbeiter des Archivs und soziale Organisationen protestierten gegen diese Entscheidung des neuen Leiters des staatlichen Friedenssekretariats SEPAZ, Antonio Arenales Forno Familiares. „Dies ist eindeutig ein Schritt zurück“, erklärte Julio Solórzano Foppa, dessen Mutter und zwei Brüder seit den 1980er Jahren verschwunden sind gegenüber Pressevertretern.

Mehr als zwei Millionen Dokumente digitalisiert

Forno hatte Ende Mai eine mögliche Schließung damit begründet, dass die Aufarbeitung von Menschenrechtsverletzungen auch von den entsprechenden Institutionen zu erfolgen habe und die Untersuchung von Straftaten der Staatsanwaltschaft obliege. Die Regierung wolle die entsprechenden Organe umstrukturieren. Dies hatte heftige Proteste bei Menschenrechtsorganisationen hervorgerufen und noch Anfang Juni hatte Präsident Pérez Molina Presseberichte dementiert, in denen von einer Schließung des Archivs die Rede war. Am 29. Juni war bei einer internen Übereinkunft des Friedenssekretariats jedoch das Aus für das Archiv beschlossen worden.

Die Internationale Kommission gegen die Straffreiheit in Guatemalas CICIG gab bekannt, dass sie dafür Sorge tragen werde, dass die Archive nicht zerstört sondern als Beweismaterial bei Gerichtsprozessen genutzt werden können.

Nach Angaben des ehemaligen Direktors des Archivs, Marco Tulio Álvarez, hätten die 17 Mitarbeiter in den vier Jahren ihrer Arbeit rund acht Berichte zum Bürgerkrieg erarbeitet und mehr als zwei Millionen Dokumente digitalisiert. In vielen Prozessen zu Menschenrechtsverletzungen waren Informationen des Archivs verwendet worden, so auch beim gegenwärtig noch laufenden Prozess gegen den ehemaligen Staatschef Efraín Ríos-Montt. Dieser muss sich wegen Genozids in Verbindung mit den Massakern in Ixil (1982-1983) vor Gericht verantworten. (bh)