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Freude über Revision des Itaipü-Vertrags

Der brasilianische Senat hat am Mittwoch einer Revision des 1973 mit Paraguay geschlossenen Itaipú-Vertrages zugestimmt. Brasilien verdreifacht damit die Ausgleichszahlungen für Strom aus dem in gemeinsamer Regie betriebenen Wasserkraftwerk, den Paraguay dem Nachbarland überlässt: Statt bislang umgerechnet 120 Mio. US-Dollar werden es künftig jährlich 360 Mio. Dollar sein.

Historischer Verrat der Diktatur

Grundlage für die Neuregelung ist ein Abkommen, das 2009 der seinerzeitige brasilianische Präsident Lula mit seinem paraguayischen Amtskollegen Fernando Lugo unterzeichnet hatte. Paraguay feiert nun den Beginn einer „energiepolitischen Souveränität“ des Landes. Lugo sprach von der Korrektur eines schrecklichen Verrats, den das Regime des Diktators Alfredo Stroessner seinerzeit mit dem Itaipú-Vertrag am Volk begangen habe. Paraguay war bislang verpflichtet gewesen, Brasilien seine überschüssige Energie zu einem Spottpreis zu verkaufen.

Der Ingenieur Ricardo Canese sieht die Revision des Vertrages als einen Gewinn für ganz Lateinamerika an: Am Ende eines 38 Jahre währender Kampf stehe die Erkenntnis, dass Solidarität, Brüderlichkeit der Völker und Integration möglich seien. Hierfür gebühre den Brasilianern Dank.

Schulden noch nicht abgezahlt

Bei aller Euphorie bleiben Probleme, die es für die beiden Länder zu lösen gilt. Vor allem die Abzahlung der Schulden in Milliardenhöhe, welche Paraguay für den Bau des Wasserkraftwerks bei Brasilien aufgenommen hatte. Außerdem wirft der gemeinsame Betrieb von Itaipú praktische Fragen auf. Was die Verwendung der künftig höheren Einnahmen betrifft, werden in Paraguay Stimmen laut, die eine Verwendung für soziale Zwecke fordern. Auch müsse der erzeugte Strom benachteiligten Menschen zu fairen Preisen zur Verfügung gestellt werden. (bs)

Quelle: Adital