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Freispruch für inhaftierten Mapuche Daniel Melinao

Der seit neun Monaten wegen Mordvorwürfen inhaftierte Sprecher der Mapuche-Gemeinde Wente Winkul Mapu (Region Araucanía), Daniel Melinao, ist gestern Vormittag mit zwei zu eins Richterstimmen vom Gericht Tribunal Oral de Angol freigesprochen worden. Melinao drohte eine Haftstrafe von 20 Jahren wegen Beihilfe zu schwerem Mord an dem Polizisten Hugo Albornoz sowie eine einjährige Haftstrafe wegen versuchten Mordes an einem weiteren Carabinero.

Bei einer Polizeirazzia am 2. April 2012 in der Gemeinde Ercilla war es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Mapuche und Sicherheitskräften gekommen, in deren Folge der Carabinero verstarb. Melinao war im April 2013 in Collipulli festgenommen worden. Ihm wurde vorgeworfen, die bei den tödlichen Schüssen auf den Polizisten benutzte Munition an den noch immer flüchtigen Täter übergeben zu haben. Melinao hatte wiederholt erklärt, mit dem Tod des Polizisten in keinerlei Zusammenhang zu stehen. Stattdessen hatte er seinerseits den Vorwurf geäußert, die Anklagen der Staatsanwaltschaft gegen ihn seien "konstruiert" worden, da er als Sprecher eine bedeutende Position in der Mapuche-Gemeinschaft innehabe. Die Staatsanwaltschaft hatte neben Beweismaterial und Dokumenten rund 30 Zeugen befragen lassen und zudem rund 40 Gutachter hinzugezogen.

Bereits gestern Nachmittag kündigte Innenminister Innenminister Andrés Chadwick an, das Urteil in den kommenden Tagen mit einer Nichtigkeitsklage anfechten zu wollen. Der Richterspruch sei "nicht einstimmig ausgefallen, daher denken wir, dass es mehr als ausreichend Beweise dafür geben muss, um zu einem Urteil zu kommen, dass mit einer Bestrafung endet", zitiert Radio Uchile den Innenminister. Gegenüber Pressevertretern zog er zudem die Rechtssprechung von Gerichten in der Region in Zweifel. Seit geraumer Zeit gewinne man den Eindruck, es herrsche "Straflosigkeit in der Region Araucanía, da keine Haftstrafen gegen Personen verhängt werden, die möglicherweise an extremistischen Handlungen beteiligt waren, obwohl Beweise vorliegen", die Gerichte dort würden wohl höhere Ansprüche an Beweise anlegen und dann zu Urteilen gelangen, "die nicht im Sinne des Gemeinwohls stehen", zitiert Radio BioBio den Innenminister. (bh)

 

Weitere Infos:

Polizist nach Razzia in Mapuche-Dorf erschossen (04.04.2013)