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Frauenfußball-WM: Alte Hasen und Debütanten

Drei lateinamerikanische Mannschaften dürfen ab morgen in Frankreich um den WM-Titel im Frauenfußball mitspielen: Brasilien, Argentinien und Chile. André Wielebski verrät, wie die Chancen stehen. 

Adveniat Lateinamerika Fußball Frauen-WM Brasilien

Jarina Ribeiro Teixeira vom Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat hofft auf den Sieg der brasilianischen Frauenmannschaft. Foto: Adveniat/Titus Lambertz

Das 7:1 der brasilianischen Männer-Fußballnationalmannschaft gegen Deutschland bei der Heim-WM war ein schwarzer Tag in der Sport-Geschichte des Landes. Doch auch Argentinien hat ein dunkles Fußballkapitel gegen Deutschland: 0:11 ging das Eröffnungsspiel der Frauen-WM 2007 aus. Ob Argentinien eine Chance auf Revanche bei der am 7. Juni 2019 startenden Frauen-Welmeisterschaft 2019 in Frankreich bekommt, ist ungewiss. Die Gruppengegner Argentiniens heißen England, Schottland und Japan. Die ersten beiden und die vier besten Dritten qualifizieren sich für die nächste Runde. Bislang konnte Argentinien diese noch nie erreichen. Zwei Teilnahmen, im Jahr 2003 und 2007, zweimal der letzte Platz. Eine Revanche gegen Deutschland ist unwahrscheinlich. Die Hoffnungen Argentiniens auf ein überraschendes Weiterkommen liegen auf María Florencia Bonsegundo – sie ist das Gesicht der neuen Generation der „Albiceleste“, wie die Nationalmannschaft genannt wird. "Die Lage in Argentinien ändert sich – in sportlicher und gesellschaftlicher Hinsicht", sagte sie gegenüber FIFA.com. Zwar spielt Frauenfußball noch eine deutlich kleinere Rolle als Männerfußball in Argentinien, doch mit einer erfolgreichen WM hoffen die Frauen, ihre Situation verbessern zu können.

Martas nächster Anlauf 

Anders sieht es beim Konkurrenten Brasilien aus. Dort regiert Königin Marta. Die 33-Jährige ist 6-fache „Fußballerin des Jahres“ und die bekannteste Fußballerin der Welt. Brasilien war bei allen Olympischen Turnieren dabei und ist amtierender Copa-America-Sieger. Doch ein Makel bleibt: Die Mannschaft ist noch nie Weltmeister geworden. 2007 in China spielten sie sich ins Finale, um dort der deutschen Mannschaft 0:2 zu unterliegen. 2019 duellieren sie sich in der Vorrunde mit Australien, Italien und Jamaika. Zwar ist Brasilien Favorit für den Gruppensieg, die Pole Position für den Sieg der Weltmeisterschaft haben jedoch andere: USA, Frankreich und Deutschland. "Marta steht natürlich immer im Fokus, sie ist die beste Spielerin der Welt. Doch auch Spielerinnen wie Ludmila und Adrianna werden neben Marta eine wichtige Rolle spielen“, erklärt Aline, die ehemalige Verteidigerin der Mannschaft, die heute in ihrem Heimatland als Fussballkoordinatorin arbeitet, gegenüber FIFA.com. Sie lobt die Entwicklung des brasilianischen Frauenfußballs: „Früher hatten wir noch keine Nachwuchsliga, doch mittlerweile haben wir zwei Erwachsenenligen und eine Nachwuchsliga. Daher finden wir nun starke Nachwuchsspielerinnen in den brasilianischen Klubs, und das hebt natürlich das Niveau.“

Debütanten aus Chile 

Ein WM-Neuling ist das dritte lateinamerikanische Land: Chile. Die chilenische Frauenmannschaft spielt in einer Gruppe mit den USA, Schweden und Thailand. „La Roja“, wie Chiles Nationalelf genannt wird, qualifizierte sich als Zweite der Copa America für die WM. Auf dem Weg zur Silbermedaille besiegten sie Argentinien mit 4:0. Der Star der Mannschaft ist 1,80 Meter groß und hütete mit 15 Jahren zum ersten Mal das chilenische Tor: Christiane Endler. Für die 27-Jährige ist es ein kleines Heimspiel: Sie steht beim französischen Spitzenklub Paris St. Germaine unter Vertrag. "Wir hatten schon so lange versucht, uns für die WM zu qualifizieren – das Team hat fast zehn Jahre lang dafür gekämpft", so Endler im FIFA.com-Interview. "Es war eine sehr emotionale Angelegenheit zu erfahren, dass wir bei der WM dabei sein würden. Ich kann mich noch an jede Einzelheit dieses Abends erinnern." Der Verband hat nun im Nationalstadion des Landes in Santiago eine eigene Kabine für die Frauenmannschaft eingeweiht. Es ist ein kleiner Schritte für den Frauenfußball in Chile, doch Endler hofft, dass das nun der Anfang ist: „Lange Zeit galt Fussball als eine für Frauen ungeeignete Sportart. In den letzten beiden Jahren hat sich viel verändert, das stimmt mich wirklich zufrieden.“