Kolumbien |

Frauen kämpfen für den Frieden

"Wenn wir Frauen mit klarer Stimme sprechen, ohne Angst zu zeigen, zahlen wir dafür einen hohen Preis: Wir müssen mit dieser Angst leben.", sagt eine Frauenaktivistin, die sich für den Frieden in Kolumbien engagiert. "Aber die Drohungen werden uns nicht daran hindern, für Frieden und soziale Gerechtigkeit einzutreten." Ein Bericht zum 10. Jahrestag der UN-Resolution 1325.

In Kolumbien haben sich Bäuerinnen, Indigene, Schwarze sowie Müttern von ´Verschwundenen´ und anderer Opfer des Bürgerkriegs zu einer breiten Frauenfront zusammengeschlossen. Das südamerikanische Land ist seit einem halben Jahrhundert Schauplatz bewaffneter Auseinandersetzungen zwischen einer linken Guerilla, den staatlichen Sicherheitskräften und rechtsextremen Paramilitärs.

Die wohl bekannteste ´Friedensfrau´ ist Senatorin Piedad Córdoba von der Liberalen Partei, eine afrikanischstämmige Feministin. Auf ihre Vermittlung ging in den Jahren 2008, 2009 und 2010 die Freilassung von insgesamt 14 Gefangenen zurück, die sich in der Gewalt der linken Guerillaorganisation ´Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens´ (FARC) befanden.

Córdoba ist Verfechterin einer politischen Lösung des Bürgerkriegs, für die sie mit Nichtregierungsorganisationen wie dem ´Haus der Frau´ zusammenarbeitet. Sie ist Gründerin der Organisation ´Kolumbianer und Kolumbianerinnen für den Frieden´, die mit der FARC und dem ´Nationalen Befreiungsheer´ (ELN), der zweiten größeren Rebellenbewegung des südamerikanischen Landes, im Dialog steht.

Frauenfriedenskarawane

"Der Frieden ist unumkehrbar." oder "Unsere Mission ist es, den Krieg zu besiegen" lauten die unermüdlichen Mantras von Piedad Córdoba. Für ihr Engagement wurde sie mit einem Bann belegt. So darf sie über einen Zeitraum von 18 Jahren keine öffentlichen Ämter bekleiden, da ihr die kolumbianische Justiz vorwirft, mit der Guerilla zu kooperieren. Die Entscheidung erging Ende September in erster Instanz.

1996 schlug die Geburtsstunde der ´Frauen-Friedensstraße´. Von der feministischen Theoretikerin bis zur Campesina finden sich Vertreterinnen aus rund 300 kolumbianischen Organisationen zusammen, um in Karawanen durch Konfliktgebiete zu ziehen und die bewaffneten Akteure zur Beendigung des Krieges aufzufordern.

Drohungen und Übergriffe

"Uns Frauen kommt die Aufgabe zu, Frieden zu schaffen", erklärt Olga Amparo Sánchez, die Leiterin der Organisation Haus der Frau. In der zweiten Jahreshälfte 2009 wurden mindestens elf führende Mitglieder Opfer von Drohungen und gewaltsamen Übergriffen. Bei anderen Organisationen liegt die Zahl der Fälle sogar noch deutlich höher.

Am 31.Oktober wird die Resolution 1325 des UN-Sicherheitsrates zehn Jahre alt. Sie ist die erste, die sich explizit auf die Kriegsverbrechen gegen Frauen bezieht und die Mitsprache der Frauen bei der Lösung und Bewältigung von Konflikten fordert. Außerdem unterstreicht die Resolution die Notwendigkeit, Frauen an Justiz- und Sicherheitsreformen zu beteiligen und ihren Schutz vor sexueller und anderer Gewalt zu schützen.

Krieg trifft vor allem Frauen und Kinder

Nach Angaben der kolumbianischen ´Nationalversammlung für den Frieden´ sind in dem Land mit seinen 45 Millionen Einwohnern 75 Prozent der mehr als vier Millionen Binnenflüchtlingen Frauen und Kinder. Von Juli 2002 bis Dezember 2007 kostete der Bürgerkrieg zudem 1.314 Frauen das Leben, 179 ´verschwanden´. Hinzu kommt sexueller Missbrauch, der weit verbreitet ist.

Für Kolumbianerinnen ist die Resolution des UN-Sicherheitsrates daher von großer formaler Bedeutung. Allerdings müsse die Regierung in Bogotá dazu gedrängt werden, konkrete Friedensmaßnahmen zu ergreifen, meint die Friedensaktivistin María Eugenia Ramírez. Bisher führe sie sich auf, als sei sie selbst nicht an dem bewaffneten Konflikt beteiligt.

Autorin: Helda Martínez, in: IPS Weltblick