Bolivien |

Frauen an Parlamentsspitze

Boliviens Regierung macht ernst mit der Frauenquote. Erstmals in der Geschichte der bolivianischen Demokratie haben zu Jahresbeginn zwei Frauen die Chef-Posten der parlamentarischen Kammern übernommen. Rebeca Delgado in der Abgeordnetenkammer und Gabriela Montaño im Senat, beide von der regierenden »Bewegung zum Sozialismus« (MAS), werden in den zwei Legislaturperioden 2012 und 2013 deren Geschäfte leiten.

In den internen Wahlen zum Parlaments-Vorsitz hatten sich die beiden Politikerinnen gegen ihre Mitbewerber durchgesetzt. Die unabhängige Frauenrechtsorganisation »Koordinationsstelle für die Frau« bezeichnete das Ergebnis als einen »historischen Schritt«. Zum »ersten Mal haben Frauen auf Ebene der höchsten Entscheidungsinstanzen die Mehrheit«, so die NGO, in der sich über 200 Frauenverbände vereinigt haben. Die Wahl werde zudem einem »Ausgleich der Geschlechter in der Gesetzgebung« nach sich ziehen, die Frauenrechtlerinnen erhoffen sich mehr Einfluss.

Damit werden beide Parlamentskammern erstmals gleichzeitig von zwei Frauen geführt. Der nach den Wahlen Ende 2009 neu zusammengekommene Senat war seit 2010 von der Journalistin und Ex-Menschenrechts-Ombudfrau Ana María Romero geleitet worden, die im selben Jahr nach einer langen Krankheit starb. Auch die verfassunggebende Versammlung hatte 2006 bis 2009 mit Silvia Lazarte (MAS) eine Frau als Präsidentin, die verfassungsgemäß über dem Präsidenten stand.

Auch auf anderen Leitungsebenen des Zehn-Milllionen-Einwohnerlandes sind heute Frauen am Ruder. 28 Prozent aller Abgeordneten und Senatoren in Bolivien sind weiblich, die Hälfte der Ministerien wird von Frauen geführt. Auch das im Dezember per Stimmzettel gewählten Personal der obersten Gerichte besteht zu 50 Prozent aus Juristinnen. (bb)