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Filmtipp: Dokumentation über die Bedeutung des Regenwaldes

Der lateinamerikanische Regenwald ist nicht irgendein Wald. Wozu wir die Artenvielfalt und das intakte Ökosystem brauchen, zeigt eine aufschlussreiche 3sat-Dokumentation.

Lateinamerika Peru Amazonas Regenwald Luftbild

Hier schlängelt sich der Fluss Marañón durch den peruanischen Regenwald. Foto (Luftbild): Adveniat/Tina Umlauf

Was geht uns der bedrohte Lebensraum von Riesenottern und anderen Tieren im weit entfernten Amazonas an? Bemerkungen wie diese hörte der Biologe, Zoologe und Filmemacher Axel Gomille immer wieder bei seiner Arbeit. Doch inzwischen ändere sich die Einstellung, sagt er. Der spürbare Klimawandel und das Abbrennen riesiger Wälder in Sibirien und Südamerika versetze viele in Alarmstimmung. Sie fragten sich, ob sie auch in Zukunft noch genug frische Luft und sauberes Wasser zur Verfügung haben werden. Ein positives Beispiel für einen nachhaltigeren Umgang mit den kostbarsten Ressourcen der Natur fand Gomille in Peru. In der Dokumentation "Schatzkammer Regenwald. Der Manu-Nationalpark in Peru" zeigt er, welche Alternativen Regierung und Naturschützer dort gefunden haben. 3sat strahlt den Beitrag am 26. September um 20.15 Uhr aus.

Manu-Nationalpark ist Weltnaturerbe

Der riesige Manu-Nationalpark wurde 1973 eingerichtet und inzwischen von der Unesco zum Weltnaturerbe erklärt. Er ist ein "Hot-Spot der Artenvielfalt", so Gomille, und erstreckt sich vom Hochgebirge der Anden bis in das Tiefland des Amazonasbeckens. Der peruanische Nationalpark ist gut 17.000 Quadratkilometer groß und wurde vor einem Jahr erweitert. Dabei ging es vor allem um wichtige Wassereinzugsgebiete am Oberlauf des Manu-Flusses. Gomille begleitet Christof Schenck, den Direktor der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt, und reist mit dessen Team auf Booten über Hunderte von Kilometern entlang der Regenwaldflüsse. Schenck hatte in Peru vor gut 30 Jahren ein Projekt zur Erforschung der stark bedrohten Riesenottern aufgebaut, das inzwischen von peruanischen Biologen fortgeführt wird.

Die Riesenotter gehören zu den seltensten Raubtieren der Welt, erzählt Schenck. Wo es Otter gebe, da seien Überfischung, Ackerbau, Viehzucht, illegale Goldwäscherei, Holzeinschlag und andere schädliche Eingriffe des Menschen noch weit entfernt. Auf der Reise kam es immer wieder zu überraschenden Begegnungen, erzählt der Filmemacher. Ein urzeitlicher Tapir kreuzte ihren Weg, Kaimane, Wasserschweine und andere Tiere. Zehn Prozent aller Vogelarten leben im Manu-Nationalpark, berichtet Gomille, 228 verschiedene Säugetiere, dazu zahllose Amphibien und Reptilien. Der Pflanzenreichtum ist überwältigend. Allein 200 verschieden Baumarten pro Hektar wurden registriert.

Rodungen für den illegalen Coca-Anbau

Doch auch dieses Gebiet ist in Gefahr. Seit Jahrzehnten versuchen Ranger der peruanischen Behörde "Sernanp", gemeinsam mit internationalen Naturschützern, die Verluste durch illegale Rodungen aufzuhalten. Im Manu-Nationalpark ist ihnen das weitgehend gelungen, zeigt der Filmemacher. Besonders problematisch sei die Kontrolle des Coca-Anbaus, ergänzt Schenck. Erhöhte Flugzeugbewegungen wiesen auf zunehmende Aktivitäten der Drogen-Kartelle hin. In Schutzgebieten, die besonders groß und abgelegen seien, würden illegale Pisten gerodet, erzählt Gomille.

Peru tut derweil viel für den Schutz der Ureinwohner. So wacht das Kulturministerium mit einem eigenen Kontrollposten darüber, dass ihnen nichts zustößt. Oscar Mujica Chacon von der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt schildert eine überraschende Begegnung mit einer Gruppe von Indigenen, die einmal am anderen Flussufer auftauchte und die noch nie Kontakt zur Außenwewlt hatte. Sie sollen ihre Kultur erhalten, ihre territorialen Ansprüche würden respektiert, bestätigen Mitarbeiter des Kulturministeriums. Forscher und Regierung hoffen, von diesen Indigenen noch viel darüber zu lernen, wie Menschen als integraler Bestandteil des Ökosystems Wald leben und überleben können.

Naturdoku fragt nach Alternativen zum derzeitigen Umgang mit Ressourcen

Axel Gomille präsentiert nicht nur eine ungewöhnliche Naturdokumentation mit prachtvollen Bildern aus dem einzigartigen Ökosystem Regenwald. Er fragt auch nach möglichen Alternativen zum Umgang mit den Ressourcen der Erde. Peru ist derzeit nicht von verheerenden Waldbränden betroffen, deshalb fehlt dieser aktuelle Bezug zur Situation in den betroffenen Nachbarländern. Das Thema greift die Gesprächsrunde von Gert Scobel um 21.00 Uhr auf, die über den "Ausverkauf des Regenwalds" sowie die globalen Auswirkungen diskutiert.

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