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Feuerfisch wird zur Plage

Seit sich der farbenfrohe Feuerfisch zahlreich in karibischen Gewässern tummelt, bereitet er den Behörden viel Kopfzerbrechen. Denn er macht anderen Fischen von Bermudas bis Barbados den Garaus. Experten sprechen bereits von der schlimmsten Meeresplage seit Menschengedenken.

Um sich nicht weiter ausbreiten zu können, soll der Feuerfisch nun in den Kochtöpfen landen. Matt Strong von der Umweltorganisation "Groundswell" auf den Bermudas hält es für eine Lösung, wenn Fischer gezielt ihre Netze nach dem tropischen Fisch auswerfen. "Das hat früher schon bei dem Nassau-Zackenbarsch funktioniert, der inzwischen nicht mehr in den Gewässern von Bermuda anzutreffen ist", weiß Strong.

"Jedes Mal, wenn man im Restaurant sitzt, in einen Supermarkt geht oder beim Fischer am Straßenrand kauft, sollte man nach Feuerfisch fragen", rät Strong. "Ist die Nachfrage groß, werden ihn die Fischer gezielt fangen." Laut dem Umweltaktivisten erhalten die Behörden täglich neue Meldungen über Feuerfische in der Umgebung der Korallenriffe. "Sie kommen in großer Zahl an das Tiefwasserriff und seit neuestem auch zu den Laichplätzen in Küstennähe. Die jungen Fische werden gnadenlos von ihnen gefressen."

Feuerfisch vernichtet heimische Fischbestände

Feuerfische vernichteten nicht nur die für den Handel wichtigen Fischarten, sondern könnten auch pflanzenfressende Spezies wie den Papageienfisch ausrotten, warnt er. Dadurch drohe das Algenwachstum überhand zu nehmen und das Korallenriff abzutöten.

Der Feuerfisch vermehrte sich 2010 explosionsartig vor den Küsten des Karibikstaates und wurde als "Plage biblischen Ausmaßes" beschrieben, die der Wirtschaft des Landes zusetze. Inzwischen sind 97 Prozent der im Umfeld der Riffe vor Bermudas beheimateten Fische gefressen worden.

Seit 2011 findet einmal jährlich eine Familienveranstaltung statt, mit der die Bevölkerung für das Problem sensibilisiert werden soll. In diesem Jahr wurden aus diesem Anlass vom 13. bis 15. Juli insgesamt 345 Feuerfische gefangen.

"Rettet das Riff, esst einen Feuerfisch"

Auf der Insel Dominica, wo Feuerfische zuerst 2010 gesichtet wurden, wird jedes Jahr im Juli ein ähnliches Festival veranstaltet. 2012 lautete das Motto "Rettet das Riff, esst einen Feuerfisch". Die Spezies müsse unter Kontrolle gebracht werden, damit Taucher und Fischer geschützt seien, sagt Simon Walsh, der Vorsitzende der Wassersport-Vereinigung von Dominica, die das Festival organisiert. Zugleich sei der Feuerfisch auch eine nachhaltige Nahrungsquelle.

Auch der britische Meeresbiologe Arun Madisetti will die Einwohner der Karibikstaaten dazu animieren, den gefräßigen Fisch auf ihren Speiseplan zu setzen. "Der Feuerfisch hat keinen natürlichen Feind in unserer Region", erklärt er. "Wir werden den Krieg gegen ihn nicht gewinnen. Auch wenn wir bestimmte Riffe kontrollieren können, wird das Problem dadurch nicht gelöst."

Auch Betreiber von Tauchschulen auf der Insel Antigua machen mittlerweile für den Feuerfisch als Speisefisch Werbung. Schließlich schmecke er auch gut, meint Shawne Clarke, der im Tauchgeschäft arbeitet. Die Zahl der Feuerfische sei vor den Küsten seit dem vergangenen Jahr drastisch angestiegen.

Durch Sturm ´Andrew´ in die Region gelangt

Nach Ansicht von Clarke galt der Fisch bisher als giftig und wurde deshalb kaum gegessen. Wenn er zubereitet sei, könne diese Gefahr jedoch ausgeschlossen werden, erklärt er. "Wenn die Fischer wissen, dass die Leute Feuerfische kaufen wollen, würden sie sie auch fangen. Falls dies in den nächsten 20 Jahren nicht geschieht, wird es hier nur noch diese Fische geben."

Die Spezies, die eigentlich im Pazifischen Ozean heimisch ist, gelangte vermutlich 1992 in den Atlantik und das Karibische Meer. Der Hurrikan ´Andrew´, der damals über die Region hinwegfegte, ließ ein Aquarium in Florida bersten. Feuerfische können alle vier Tage etwa 30.000 Eier legen und vermehren sich daher blitzartig. Kleinere Fische an Korallenbänken werden von ihnen im Handumdrehen vertilgt.

In Barbados wurden bisher sechs der gefräßigen Fische von Tauchern getötet oder von Fischern gefangen. Die Biologin Caroline Bissada-Gooding von der unabhängigen "East Coast Conservation Organization", die eine Feuerfisch-Hotline in Barbados betreibt, erklärt, dass sie Taucher an der Sensibilisierungskampagne beteiligen wollte, weil sie am häufigsten im Meer unterwegs seien. Auch den Fischern müsse daran gelegen sein, da ihre eigene Existenz auf dem Spiel stehe.

Quelle: IPS, Autor: Desmond Brown

Gefräßige Feuerfische nehmen in karibischen Gewässern überhand. Foto: IPS/Neufville