Mexiko |

Fernseher, Autos, Handys

Mehr Fernseher, mehr Computer, mehr Handys, mehr Autos, weniger Kinder. So lauten einige der Schlussfolgerungen aus der jüngsten Volkszählung in Mexiko. Die Zahl der Einwohner ist demnach in den vergangenen zehn Jahren von 97 auf 112 Millionen gestiegen, aber heute gehören prozentual mehr Mexikaner zur Mittelschicht. Die Fortschritte bei Gesundheit, Bildung und Wohnraum seien enorm, noch gebe es aber große Unterschiede zwischen den wohlhabenden und den ärmsten Regionen, sagte Präsident Felipe Calderón am Montag bei der Vorstellung der Ergebnisse in Mexiko-Stadt.

Analphabetenrate gesunken

Der Volksbefragung des Nationalen Statistikinstituts (Inegi) zufolge verfügen inzwischen 98 Prozent aller Mexikaner über Strom. Die Zahl derjenigen, die ein Telefon besitzen, stieg in den vergangenen zehn Jahren von 36 auf 43 Prozent, bei Computern von neun auf 29 Prozent, bei Kühlschränken von 68 auf 82 Prozent und bei Autos von 32 auf 44 Prozent. Die Zahl der Analphabeten sank von 12,4 auf 6,9 Prozent; heute besuchen 40 Prozent der zwischen 15- und 24-Jährigen eine weiterführende Schule, während es früher nur 30 Prozent waren.

Bevölkerungswachstum durch längere Lebenserwartung

Die Geburtenrate ist demzufolge gesunken. Durch Fortschritte im Kampf gegen die Kindersterblichkeit und durch Verbesserungen im Gesundheitswesen allgemein und die Verlängerung der durchschnittlichen Lebenserwartung ist die Bevölkerung aber weiter gewachsen.
„Das bringt enorme Herausforderungen für unser Sozialsystem“, warnte der Staatschef. Dabei ist Mexiko noch weit entfernt von europäischen Verhältnissen: das Durchschnittsalter liegt bei „nur“ 29 Jahren, auf zwei Personen im arbeitsfähigen Altern kommt nur ein Rentner oder Minderjähriger, der versorgt werden muss.

Weniger Emigration

Ein weiteres interessantes Ergebnis ist die um ein Drittel abnehmende Anzahl derjenigen, die auf der Suche nach besseren wirtschaftlichen Möglichkeiten ihr Land verlassen. Experten machen dafür allerdings vor allem die strikten Grenzkontrollen in den USA und die durch den Drogenkrieg gestiegenen Gefahren der Migration verantwortlich. Denn die mexikanischen Gehälter sind zwar gestiegen, aber deutlich weniger als die Inflation. 2009 lag der reale Kaufkraftverlust bei fünf Prozent, 2010 immer noch bei 0,6 Prozent. Und ein Drittel der Mexikaner verdient weniger als zwei Mindestlöhne, monatlich umgerechnet etwa 80 Euro.

40 Millionen Arme

65 Millionen Mexikaner zählen zur Mittelschicht, 40 Millionen zu den Armen, davon leben 15 Millionen in absoluter Armut mit weniger als einem Dollar pro Tag. Allerdings ist die Mittelschicht noch recht prekär, wie die Forscher Luis Rubio und De la Calle in ihrem Buch „clasemedieros“ feststellen. Um einen gewissen Konsum aufrechtzuerhalten und den Kredit vom Haus abzubezahlen, müssen oft mehrere Familienmitglieder arbeiten. Etwas sparen können nur die wenigsten der „clasemedieros“.

Autorin: Sandra Weiss