Argentinien |

Fast 64.000 Familien von Landkonflikten betroffen

Laut einer Studie des Landwirtschaftsministeriums gibt es in Argentinien 857 Landkonflikte, von denen 63.843 indigene oder bäuerliche Familien betroffen sind. Bei etwa der Hälfte der Konflikte sei Gewalt gegen die Familien ausgeübt worden, um deren Vertreibung zu erreichen.

Die Konflikte, die zu 64 Prozent in den letzten zwei Jahrzehnten seien „ohne Zweifel“ im Zusammenhang mit der Industrialisierung der Landwirtschaft und dem zunehmenden Bedarf nach Flächen für die Agroindustrie zu sehen, so die Untersuchung “Relevamiento y sistematización de problemas de tierras de los agricultores familiares en Argentina”, die kürzlich in Buenos Aires vorgestellt wurde.

Mangelhafter Zugang zur Justiz

Der Zugang zur Justiz, die Registrierung von Landtiteln der derzeitigen Bewohner und staatliche Politiken zur Unterstützung der von Vertreibung bedrohten kleinbäuerlichen und indigenen Familien seien unabdingbar, unterstrich Karina Bidaseca, Leiterin der Untersuchung, bei der Vorstellung der Studie, wie die argentinische Tageszeitung „Página 12“ berichtet. Derzeit sind 39 Prozent der Konflikte bei der Justiz anhängig.

Bei 32 Prozent der Fälle (278 Fälle) sind Indigene betroffen. Laut der Studie, die „umfangreich, aber nicht repräsentativ" sei, da die Fallzählung in nur drei Monaten im Jahr 2011 erfolgt sei, handele es sich in 49 Prozent der Fälle um Land, auf das Firmen oder Privatpersonen Anspruch erheben. Bei 34 Prozent der umstrittenen Ländereien handele es sich um staatliches Land, bei 17 Prozent der Flächen seien die Ansprüche gemischt.

Kleinbauern fordern politische Maßnahmen

Mehr als 75 Prozent der derzeitigen Bewohner von Konfliktgebieten lebt seit mehr als 20 Jahren auf Land, um das ein Disput geführt wird. Dieses Land befinde sich gemäß dem „zwanzigjährigen Recht“, einer Regelung, wonach Personen, die 20 Jahre auf einem Stück Land leben und es bewirtschaften, bereits im Besitz der Nutzer und Bewohner. Doch laut Studie erkennen die Justizbehörden nur selten diese Regelung an.

José Luis Castillo von der Indigenen Bauernversammlung Nordargentiniens (Acina) forderte, dass der Staat nun mit entsprechenden politischen Maßnahmen handeln müsse (bh).