Kolumbien |

FARC schlägt unabhängige Expertenkommission vor

Die Fuerzas Revolucionarias de Colombia (FARC) haben im Zusammenhang mit den Friedensverhand-lungen eine unabhängige Expertenkommission zur Klärung der Opferfrage vorgeschlagen. Bereits Ende Juli ist ein Bericht der Regierung erschienen, der die Auswirkungen des bewaffneten Konflikts auf die kolumbianische Bevölkerung behandelt. Darin hat eine Kommission von Historikern festgestellt, dass in der Zeit der Kämpfe zwischen Guerilla und Regierung mindestens 220.000 Menschen umgebracht worden sind, 25.0000 als verschwunden gelten und knapp fünf Millionen Kolumbianer vor der Gewalt fliehen mussten. Diese Studie soll laut FARC durch eine weitere Untersuchung ergänzt werden.

Die FARC möchte mit ihrem Vorstoß einer unabhängigen Kommission aus nationalen und internationalen Experten laut eigener Aussage sicher gehen, dass die Opferfrage und die damit zusammenhängende Entschädigung mit Bedacht behandelt werden. In einer Untersuchung über die vollständige Geschichte des Konflikts solle auch die Rolle der Regierung, der Medien und anderen Akteure einbezogen werden. „Die wichtige Frage der Opfer des Konflikt sollte mit Bedacht, Realismus und Wahrhaftigkeit behandelt werden“, sagte der Guerillero Pablo Catatumbo bei einer Pressekonferenz in Havanna.

Die Entschädigung der Opfer des bewaffneten Konflikts ist der letzte Punkt auf der Agenda der Friedensverhandlungen, die vergangenen Oktober in Oslo begonnen haben und seit November in der kubanischen Hauptstadt Havanna fortgesetzt werden. Derzeit verhandeln die beiden Parteien weiterhin über Punkt zwei der Agenda – die politische Eingliederung der FARC im Anschluss an ein Friedensabkommen. Im Mai konnte bei der als ursächlich für den Konflikt geltenden Landfrage eine Einigung erzielt werden. Dies wird von vielen Experten als großer Erfolg gewertet. Die kolumbianische Regierung möchte die Gespräche mit der FARC zum Jahresende abschließen. (aj)