Kolumbien |

FARC-Partei kehrt auf politische Bühne zurück

Das politische Sprachrohr der FARC-Rebellen, die Partei der Patriotischen Union (PU), hat zu Beginn dieser Woche die Erlaubnis zur Reaktivierung erhalten. Dies teilte der kolumbianische Staatsrat am Dienstag mit. Die Partei war 1985 gegründet worden, als die Rebellen mit dem damaligen Präsiden-ten Belisario Betancourt in Friedensverhandlungen standen. Die PU sollte die Möglichkeit für die Guerilla darstellen, ihre Ziele auf der politischen Ebene umzusetzen und die Waffen niederzulegen. Trotz des Scheiterns der Friedensverhandlungen existierte die Partei bis zu den Wahlen im Jahr 2002. Als sie dort keine Kandidaten aufstellte, wurde sie vom Wahlrat ausgeschlossen.

Der Staatsrat begründete seine jüngste Entscheidung damit, dass die Partei damals daran gehindert wurde, am politischen Prozess teilzunehmen. Mehr als 3.000 Mitglieder der UP sowie ein Präsident-schaftskandidat der Partei wurden damals von Milizen getötet. „Die UP-Anhänger waren Opfer eines Vernichtungsprozesses. Ihre Führer wurden getötet oder verschwanden. Deshalb konnten sie nicht am politischen Prozess teilnehmen“, sagte der Präsident des Staatsrats Alfonso Vargas. Experten zufolge sei durch die Verfolgung der UP-Anhänger in den 1980er Jahren für die FARC der Eindruck entstanden, dass der politische Weg für sie verschlossen sei. Auch aus diesem Grund hätten sie da-mals wieder zu den Waffen gegriffen.

Die Reaktivierung der UP wird in den lokalen Medien auch als positives Signal für die derzeit stattfin-den Friedensverhandlungen zwischen der FARC und der kolumbianischen Regierung gewertet. Sie könnte die Integration der Rebellen in den politischen Prozess Kolumbiens erleichtern. Wie die polti-sche Partizipation der Guerilla aussehen soll, wird derzeit bei den Friedensgesprächen verhandelt. Die Verhandlungen könnten das Ende eines Konflikts bedeuten, der seit mehr als 50 Jahren anhält und bisher 600.000 Menschen das Leben kostete. (aj)