Kolumbien |

FARC lassen Geisel frei

Nach der Freilassung der langjährigen Geisel Marcos Baquero ist in Kolumbien eine neue Diskussion über den Umgang mit den illegalen bewaffneten Gruppen entfacht. Die marxistische Guerilla-Organisation FARC hatte am Mittwoch mit der angekündigten Freilassung von insgesamt fünf Geiseln begonnen.

Zunächst setzten sie den vor fast 20 Monaten entführten Kommunalpolitiker Baquero auf freien Fuß. "Wir werden eine Demonstration abhalten und dabei von den FARC verlangen, dass sie alle Geiseln freilassen. Die Vorstellung, dass im Urwald noch immer Menschen festgehalten werden, ist unerträglich", sagte Baquero in einer ersten Stellungnahme.

Die Oppositionspolitikerin und frühere Senatorin Piedad Córdoba hatte sich maßgeblich für die Freilassung der Geiseln eingesetzt und erhielt dafür Rückendeckung der katholischen Kirche. Der Vorsitzende der kolumbianischen Bischofskonferenz, Erzbischof Ruben Salazar, sagte der Tageszeitung El Tiempo: "Sie war die Protagonisten dieser Geschichte."

Salazar forderte die Regierung des konservativen Staatspräsidenten Juan Manuel Santos auf, die Arbeit der vor wenigen Wochen suspendierten Senatorin anzuerkennen. Die Justiz wirft Cordoba eine zu große Nähe zur FARC vor und entzog ihr daraufhin das Recht ihr Mandat auszuüben. Cordoba war eine der schärfsten Kritikerinnen der Politik von Santos-Vorgänger Alvaro Uribe, der eine militärische Lösung des Konflikts mit der Farc anstrebte.

Erzbischof Salazar warnte allerdings vor übertriebenen Erwartungen: "Diese Freilassungen sind nicht der Beginn eines Friedensprozesses." Dazu sei es notwendig, dass die FARC alle Geiseln freilasse und zugleich eindeutige Signale sende, dass sie zu einem ernsthaften Frieden bereit sei. Santos traf unterdessen am Rande der zeitgleich stattfindenden Vollversammlung der Bischöfe mit den Führern der kolumbianischen Kirche zusammen. Ein Thema der Gespräche war das Angebot der rechtsgerichteten paramilitärischen Verbände in Friedensgespräche mit der Regierung einzutreten. Innenminister German Vargas erteilte diesem Angebot eine klare Absage: "Mit Kriminellen verhandeln wir nicht. Für sie gilt das gleiche Recht wie für alle anderen Kolumbianer." (TK)