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Falsche Versprechungen, Bedrohungen, Entführungen

In einem dringenden Aufruf hat Amnesty International die mexikanische Regierung und den Bundesstaat Coahuila dazu aufgefordert, umgehend für die Sicherheit der mittelamerikanischen Migranten zu sorgen, die das Bundesgebiet in Richtung der Vereinigten Staaten durchqueren. Die Organisation fordert außerdem Sicherheitsgarantien für die Menschenrechtler, die im Migrantenhaus (Casa del Migrante) in Saltillo arbeiten und erst kürzlich bedroht worden sind.

Falsche Versprechen und Entführungen


Der Aufruf von AI geht auf die Ereignisse vom 8. August zurück: um 11.30 Uhr wurden drei salvadorianische Migranten Zeuge bei der Entführung von vier weiteren Migranten. Als diese aus dem Zug ´Kansas City` stiegen, der in Richtung der Grenzstadt Reynosa im Bundesstaat Tamaulipas fährt, wurden sie von zwei bewaffneten Männern gewaltsam gezwungen, in zwei Fahrzeuge zu steigen. Zuvor hatten ein Mann und eine Frau ihnen Unterkunft, Verpflegung und kostenlosen Transport zur Grenze angeboten, was die Salvadorianer ablehnten.

Das Ganze ereignete sich knapp 50 Meter von dem Zug entfernt, der gewöhnlich Dutzende mittelamerikanischer Migranten Richtung USA transportiert. Nach diesem Erlebnis kehrten die drei Migranten wieder zum Migrantenhaus in Saltillo zurück. Dort sahen sie die Frau wieder, die versucht hatte, sie anzuwerben. Sie fragte die Migranten aus dem Haus, wie viele von ihnen sich dort aufhalten würden.

Durch Fragen einschüchtern

Nach Angaben von Gabriel Duperou vom Migrantenhaus in Saltillo ist es allgemein bekannt, dass den Migranten Lebensmittel, Unterkunft und kostenloser Transport angeboten werden, "um sie anzuwerben und zu missbrauchen". Er erklärte der Nachrichtenagentur Cimacnoticias, das Befragen der Migranten sei eine Methode, die seit Oktober 2009 angewandt werde um ihn und seine Mitarbeiter einzuschüchtern. Grund dafür sei ihre Arbeit zum Schutz der Migranten. Außerdem hatten sie mehrere Missbrauchsfälle angezeigt, die den Migranten von Seiten des organisierten Verbrechens mit Unterstützung lokaler

Menschenrechtskommissionen fordern Schutz


Seitdem die Schikanen bekannt geworden sind, die sowohl die Migranten als auch die Menschenrechtler des Migrantenhauses erdulden mussten, haben laut AI sowohl die Nationale als auch die Interamerikanische Menschenrechtskommission CIDH reagiert. Sie riefen die mexikanische Regierung auf, Schutzmaßnahmen für diese Personen einzuleiten - passiert sei bisher jedoch nichts.

Aus diesem Grund zeigte sich Amnesty International besorgt um die Sicherheit der Mitarbeiter des örtlichen Migrantenhauses. Die Organisation rief die Behörden dazu auf, sämtlichen Vergehen gegen Migranten und Menschenrechtler nachzugehen.

Untätigkeit der Behörden

Dieser dringende Aufruf richtet sich an Innenminister José Francisco Blake Mora, den Gouverneur von Coahuila Humberto Moreira Valdés und den Generalstaatsanwalt des Bundesstaates, Jesús Torres Charles. Sie sollen die Maßnahmen in die Tat umsetzen, welche die Nationale Menschenrechtskommission CNDH und die CIDH angeordnet haben. Seit vergangenem März hat die CIDH von Mexiko Schutzmaßnahmen für die Unterkunft und die dort arbeitenden Menschen gefordert. Seitdem treffen sich die Menschenrechtler mit Vertreter der Regierung und der CNDH, um sich auf geeignete Schutzmaßnahmen zu einigen. Bis jetzt sind diese jedoch nicht durchgeführt worden.

Frauen und Kinder tragen das größte Risiko

Die Durchquerung Mexikos in Richtung USA ist für die mittelamerikanischen Migranten ein Spießrutenlauf, gekennzeichnet durch den Missbrauch seitens der Mitglieder des organisierten Verbrechens, mit den Behörden als Komplizen. Jedes Jahr erleiden Hunderte Migranten Entführung, Raub oder werden umgebracht. Frauen und Kinder sind dabei die verletzlichsten Glieder innerhalb dieser Gruppe, betont AI.

Nach Angaben der CNDH wurden zwischen September 2008 und Februar 2009 9.758 Migranten entführt. Sämtliche illegalisierte Migranten laufen Gefahr, misshandelt zu werden. Aber ganz speziell Frauen, Mädchen und Jungen sind auch noch zusätzlich der sexuellen Gewaltanwendung durch Kriminelle, andere Migranten oder korrupte Polizisten ausgesetzt. AI beruft sich auf Quellen, denen zufolge etwa sechs von zehn Migrantinnen auf ihrer Transitstrecke durch Mexiko von sexuellen Übergriffen betroffen sind.

Mehr als 90 Prozent der MigrantInnen, die durch Mexiko reisen, kommen aus Mittelamerika. Die meisten verlassen ihr Land in der Hoffnung, in den USA der Armut zu entkommen, Arbeit zu finden und so ein neues Leben beginnen zu können.

Autorin: Guadalupe Cruz Jaimes/cimac in: Poonal