Kolumbien |

Extreme Dürre: Alarmstufe Rot in La Guajira

Wayuu-Indigene vor ihrem Haus in der Guajira-Wüste. Foto: Jürgen Escher/Adveniat
Wayuu-Indigene vor ihrem Haus in der Guajira-Wüste. Foto: Jürgen Escher/Adveniat

Die kolumbianische Provinz La Guajira, ein Departament im äußersten Nordosten des südamerikanischen Landes, leidet unter einer historischen Dürre. Zu den katastrophalen klimatischen Bedingungen kommt auch noch die Untätigkeit der Politik und der Hilfsorganisationen, die die Katastrophe bislang nur halbherzig bekämpften, wenn sie denn überhaupt zur Kenntnis genommen haben.

Schon in den letzten Wochen haben die Menschen aus La Guajira versucht, auf ihre verzweifelte Situation aufmerksam zu machen. Mehr als 200 indigene Frauen des Wayuu-Volkes demonstrierten in ihrer traditionellen Tracht vor dem Parlament in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá, um Sofortmaßnahmen der Regierung von Präsident Juan Manuel Santos zur Linderung der Folgen der extremen Dürre zu fordern. Vergeblich. Immerhin erreichten sie, dass die kolumbianischen Medien sich des Themas in der abgelegenen Provinz annahmen.

Davon motiviert wollen die Menschen die Regierung mit einem Generalstreik zum Handeln zwingen. Am Montag beteiligte sich die Mehrheit der 800.000 Einwohner der Provinz an dem Ausstand, der die Regierung aber auf die Politiker in der eigenen Provinz an ihre Pflichten erinnern soll. Zum Teil ist die Krise nämlich hausgemacht. Versprochene Investitionen in die Infrastruktur, die die Wasserversorgung verbessern sollten, sind in dunklen Kanälen verschwunden. Bauprojekte nur halb fertig gestellt und dann abgesprochen. Zudem scheinen die Planungen für die Region angesichts des Klimawandels nicht ausreichend, von der Wucht der Dürre ist lokale und nationale Politik überrascht.

Kinder leiden besonders

José Ballesteros, Gouverneur von La Guajira, sagte dem Nachrichtenmagazin Semana, die Konsequenzen der verheerenden Dürre seien eine Folge von konjunkturellen und strukturellen Problemen. Konkret bedeutet das: Keine der 15 Kommunen der Provinz hat derzeit eine für die gesamten 24 Stunden des Tages sichergestellte Trinkwasserversorgung. Das Institut für Hydrologie und Meteorologie macht der betroffenen Region wenig Hoffnung. Rund 120 Kommunen der gesamten Karibik-Regionen leiden derzeit unter einer enormen Dürre. Für alle Kommunen gilt: Alarmstufe Rot.

Unter all den Problemen die die Klimarealität in der armen Provinz vor allem für Menschen aus sozialschwachen Bevölkerungsschichten zu einem Überlebenskampf machen, leiden vor allem die Kinder. Laut Stiftung Juan Felipe Escobar starben in der betroffenen Region im Zeitraum von 2008 bis 2013 insgesamt 4.151 Kinder an den Folgen von Unterernährung. Auch die Tiere leiden unter der Dürre: Allein 2014 starben 7000 Stück Vieh und damit die Lebensgrundlage vieler Kleinbauernfamilien.

Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos sagte nun immerhin Sofortmaßnahmen zu. Er versprach, dass die Regierung ein Brunnensystem bauen wolle. Zudem würden sofort insgesamt 100 Wasserstellen aufgebohrt und 110 Tankwagen mit Trinkwasser in die Region geschickt. Zudem sollen knapp 100.000 Euro Hilfsgelder helfen, die schlimmste Not zu lindern. Mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein ist das aber nicht.

Autor: Tobias Käufer