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Exotische Tiere via Internet

Die südamerikanische Tierschutzorganisation "Vida Silvestre" schlägt Alarm: Immer mehr exotische Tiere werden nach Angaben der Nichtregierungsorganisation in Internetkatalogen zum freien Verkauf angeboten. Besonders betroffen seien die Länder Brasilien, Argentinien, Kolumbien, Ecuador und neuerdings auch Bolivien.

Die Präsidentin von "Vida Silvestre", Patricia Meriles, erklärte: "Die Tiere werden oft unter unzumutbaren Bedingungen ins Ausland geschickt. Besonders begehrt und daher besonders lukrativ sind Tierarten, die vom Aussterben bedroht sind." Ihren Sitz hat die Organisation im bolivianischen Cochabamba. Nach Schätzungen von Experten erwirtschaftet der weltweite illegale Handel mit exotischen Tieren einen Umsatz von jährlich etwa 4 Milliarden US Dollar. Der Handel habe nun auch Bolivien erreicht, teilte Mariles mit. Bislang habe das Zentrum des illegalen Exports vor allem in Kolumbien gelegen, mittlerweile seien aber auch in Bolivien entsprechende Kataloge aufgetaucht, teilte „Vida Silvestre“ mit.

Journalisten des bolivianischen Internetportals "GAIA Noticias" hatten unter der Angabe eines fiktiven Namens Kontakt mit Anbietern von exotischen Tieren im Netz aufgenommen. Ohne Probleme seien daraufhin von verschiedenen Anbietern via Internet Angebote von Tieren verschickt worden, deren Handel illegal oder nur unter besonderen Auflagen gestattet ist. "Es war lediglich eine E-Mail-Adresse zur Kommunikation und dem Austausch von Kontonummern notwendig, um die Geschäfte abzuwickeln. Zudem musste eine Kontaktadresse angegeben werden, um die Tiere anliefern zu können", heißt es in dem Bericht von "GAIA Noticias".

Chinesische Ratte für einen Euro

Unter anderem konnten die Journalisten zum Schein einen Abschluss mit einem argentinischen Anbieter aushandeln. In der ecuadorianischen Hauptstadt Quito fanden die Redakteure eine für jedermann zugängliche Internetseite, die den illegalen Handel mit exotischen Tieren offensiv bewarb. In Kolumbien bemühten sich die Anbieter nicht einmal um allzu große Anonymität.

Die Preise für die illegal gehandelten Tiere variieren je nach Grad der Seltenheit. Eine chinesische Ratte ist bereits für einen Euro zu haben, die Preise für seltene Sittiche beginnen dagegen erst ab 80 Euro. Fasane, Schmetterlinge, Papagaien und Krokodile sind die am häufigsten nachgefragten Tierarten.

International geregelt ist der Handel mit exotischen Tieren aber auch Pflanzen durch das "Washingtoner Artenschutzübereinkommen". Dem Abkommen sind drei Listen der vom Aussterben bedrohten oder gefährdeten Arten beigelegt. Rund 8.000 Tier- und 40.000 Pflanzenarten stehen unter Schutz. Das Abkommen wurde am 3. März 1973 in Washington/USA unterzeichnet und seitdem mehrmals aktualisiert. Auf regelmäßigen Tagungen (Artenschutzkonferenzen) der Vertreter der Unterzeichnerstaaten werden die geltenden Regelungen überprüft und Anträge auf weitere Handelsbeschränkungen gestellt. Zuletzt tagte die Artenschutzkonferenz 2010 in Doha.

Autor: Tobias Käufer/Bogotá