Guatemala |

Ex-Diktator Ríos Montt erklärt sich für unschuldig

Der wegen Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt ehemalige guatemaltekische Präsident Efráin Ríos Montt erklärte sich vor Gericht für unschuldig. „Niemals habe ich autorisiert, vorgeschlagen oder angeordnet, dass Attentate gegen ein Volk, eine Ethnie oder eine Religion begangen werden sollen. Und nach allem, was gesagt worden ist, gibt es keinen Beweis, der meine Beteiligung belegen würde“, so der 86-Jährige im Prozess.

Montt ist angeklagt, der Drahtzieher von 15 Massakern und der Vertreibung von 29.000 Menschen gewesen zu sein. Bei den Massakern kamen 1.771 May-Indigene der Ethnie Ixil ums Leben. Der Ex-Präsident sagte während seines 66-minütigen Auftritts vor Gericht, er sei in seiner Amtszeit wie ein „Gesalbter des Herrn“ gewesen, berichtet die Nachrichtenagentur TeleSur. Weiter erklärte Montt, seine Arbeit habe nicht darin bestanden, ins Feld zu gehen und er hätte keine diesbezüglichen Berichte darüber erhalten, was im Kampf vor sich gehe.

Ausgang des Verfahrens weiter unklar

Das guatemaltekische Innenministerium geht von 72 Massakern aus, die zwischen 1982 y 1983 verübt worden sein sollen, 17 davon werden Montt zugeschrieben. Ríos Montt gelangte im März 1982 durch einen Putsch an die Macht. Im August 1983 wurde er von rivalisierenden Militärs wegen „Unzurechnungsfähigkeit“ wieder abgesetzt. Für Montt und den Mitangeklagten Geheimdienstchef José Mauricio Rodríguez Sánchez forderte die Staatsanwaltschaft nun im Abschlussplädoyer 75 Jahre Haft. Ob es zu einer Verurteilung kommen wird, bleibt jedoch weiter unklar, denn es stehen nach wie Urteile zu sechs Verfahrensbeschwerden aus.

Der Prozess gegen die beiden war am 19. April von der Richterin Carol Flores wegen Verfahrensbeschwerden der Verteidigung für fast zwei Wochen ausgesetzt und das Verfassungsgericht angerufen worden. Die dadurch mögliche Annullierung und vorgesehene Rücksetzung des als historisch eingeschätzten Verfahrens auf den Stand vom November 2011 hatte national und international starke Proteste ausgelöst. Bereits seit Beginn der öffentlichen Anhörungen am vergangenen 19. März hatte die Verteidigung Dutzende Rechtsmittel eingelegt.

Guatemala wurde 36 Jahre lang, von 1960 bis 1996, von einem Bürgerkrieg zerrissen. Die Zahl der Massaker am Volk betrug mehr als 600, etwa 200.000 Menschen wurden ermordet oder verschwanden. (bh)