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Ex-Diktator Baby-Doc kehrt nach Haiti zurück

Graffitis auf den Ruinen von Port-au-Prince forderten schon seit Monaten seine Anwesenheit, am Sonntag ist Ex-Diktator Jean-Claude Duvalier in der Tat in seine alte Heimat zurückgekehrt – ein Jahr nach dem Erdbeben und mitten in einer schweren politischen Krise. Mehrere dutzend Anhänger begrüssten den 59-Jährigen bei seiner Ankunft am frühen Abend aus Paris am Flughafen der haitianischen Hauptstadt; unter Intellektuellen, Journalisten und Diplomaten sorgte die per Handy und sms in Windeseile verbreitete Nachricht für Sorge.

„Haiti, mein Land. Ich bin gekommen, um zu helfen“, sagte Baby Doc im dunklen Anzug und mit Krawatte den am Flughafen wartenden Journalisten und Ex-Mitarbeitern. Seine mitreisende Gattin Veronique Roz betonte, sei sei sehr gerührt und habe nicht so einen Empfang erwartet.

Mehrere Verfahren anhängig

Gegen den ehemaligen Diktator, der den Karibikstaat zwischen 1971 und 1986 mit brutalen Unterdrückermethoden regierte und später im vergoldeten Exil in Frankreich lebte, sind mehrere Verfahren anhängig, darunter wegen Korruption und Menschenrechtsverletzungen. Er soll über 100 Millionen Dollar veruntreut haben, seine Todesschwadronen, die berüchtigten „Tontons Macoutes“ verbreiteten Angst und Schrecken in der Bevölkerung. 1986 wurde er duch einen Volksaufstand und diplomatischen Druck insbesondere der USA gestürzt. 2007 bat Baby Doc in einer Radiosendung um „Vergebung für die Fehler seiner Amtszeit."

Präsident Rene Preval hatte während seiner ersten Amtszeit 1997 verkündet, Duvalier ins Gefängnis zu stecken, wenn er nach Haiti zurückkehren sollte. Zunächst war unklar, mit welcher Intention Duvalier zurückgekehrt war und welche Haltung die Regierung ihm gegenüber einnehmen würde. Einige Haitianer verbinden mit Duvalier eine Nostalgie nach Recht und Ordnung, während Demokratie für sie gleichbedeutend mit Instabilität und Wirtschaftskrise ist.

öl ins Feuer

Duvaliers Rückkehr dürfte weiter öl ins Feuer giessen in einer ohnehin schon komplexen politischen Ausgangslage: Am Sonntag hätte eigentlich die Stichwahl stattfinden sollen, aus der das nächste Parlament und der nächste Präsident hervorgehen. Wegen gravierender Manipulationen und schwerer organisatorischer Mängel in der ersten Runde wurde die Stichwahl jedoch auf unbestimmte Zeit verschoben.

Die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) hat nach einer Analyse der Stimmzettel nahegelegt, eine grosse Anzahl Wahlzettel auszuschliessen, was dazu führen würde, den laut offiziellen Ergebnissen Drittplatzierten Michel Martelly in die Stichwahl einziehen zu lassen – zu Lasten des Regierungskandidaten Jude Celestin. Die Regierung lehnt dies jedoch ab, wie aus einem am Sonntag dieser Zeitung gefilterten Bericht hervorgeht. Darin heisst es, die von der OAS angewendeten Methoden seien zweifelhaft, die Wahlbeteiligung mit 27 Prozent extrem niedrig, weshalb die Wahl komplett wiederholt werden müsse.

Dies würde jedoch dazu führen, dass der unpopuläre Preval und seine mit Korruptionsvorwürfen überhäufte Regierung weit über ihre verfassungsmässige Amtszeit hinaus im Amt blieben und der Wiederaufbau weiter verzögert würde. Denn die internationale Gemeinschaft fordert für die Freigabe der versprochenen zehn Milliarden US-Dollar Wiederaufbauhilfe eine neue, demokratisch legitimierte Regierung.

Autorin: Sandra Weiss