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Evo Morales: Strippenzieher im Exil

Nachdem Evo Morales als Präsident Boliviens zurückgetreten ist, wanderte er durch mehrere Exilländer - das jüngste ist Argentinien. Doch von dort aus stellt er Weichen, die die Zukunft des Landes bestimmen könnten.

Evo Morales bei einer Pressekonferenz in Mexiko. Foto: picture-alliance/dpa/M. Ugarte

Boliviens Expräsident betrat am vergangenen Donnerstag als politischer Flüchtling argentinischen Boden. Zuvor war Evo Morales in Mexiko wohlwollend aufgenommen worden und hatte danach eine Zwischenstation in Kuba eingelegt. In Argentinien hatten schon drei Wochen zuvor seine beiden Kinder Zuflucht gefunden. Aber das Land, das erst seit kurzem wieder eine linksgerichtete Regierung hat, ist nicht nur aus familiären Gründen ein geeigneteres Refugium für Evo Morales als Mexiko oder Kuba.

Laut argentinischen Medienberichten will sich der frühere bolivianische Präsident Evo Morales nun in der argentinischen Stadt San Ramón de la Nueva Orán unweit der Grenze zu Bolivien niederlassen. Dort ist er seiner Heimat und seiner Partei Bewegung zum Sozialismus (MAS) am Nächsten. Von dort aus will er deren Wahlkampf für die Präsidentschaftswahlen 2020 leiten.

Präsidentenamt versperrt

Morales war am 10. November nach wochenlangen Protesten und einer 14-jährigen Amtszeit zurückgetreten. Bei der Präsidentschaftswahl vom 20. Oktober hatte es schwerwiegende Unregelmäßigkeiten gegeben, die Opposition und die Organisation Amerikanischer Staaten werteten sie als Wahlbetrug. Nach Morales' überstürzter Ausreise nach Mexiko übernahm die oppositionelle Vizepräsidentin des Senats, Jeanine Áñez, das Präsidentenamt.

Am 24. November verabschiedete das bolivianische Parlament ein Gesetz für baldige Neuwahlen. Es verbietet allen Politikern, die in den vergangenen zwei Legislaturperioden durchgehend ein Amt innehatten, eine erneute Kandidatur für die gleiche Position. Damit kann Morales sich nicht noch einmal als Staatschef bewerben.

Der Expräsident - aktiv im Exil

Doch Evo Morales verfügt weiterhin über eine starke Machtbasis in Bolivien. Seine MAS-Partei verfügt in beiden Abgeordnetenkammern über satte Mehrheiten. Trotz Einbußen genießt der frühere Präsident gerade in den ländlichen Regionen und unter den Indigenen noch viel Zustimmung. Am vergangenen Wochenende traf er sich im Exil mit Vertretern seiner Partei, um die Wahlkampfstrategie für die wahrscheinlich im März anstehenden Präsidentschaftswahlen zu koordinieren.

Moira Zuazo, Lehrbeauftragte am Lateinamerika-Institut der Freien Universität Berlin, hält im Gespräch mit der DW ein Comeback des Expräsidenten für sehr unwahrscheinlich. Entscheidender sei die weitere Entwicklung der MAS-Partei und ob sie es schaffe, aus dem Schatten der Überfigur Morales zu treten. "Es ist eine gespaltene Partei mit tiefen Brüchen. Die moderaten Kräfte kooperieren mit der Übergangsregierung und sind an einer Befriedung des Landes interessiert. Der andere Flügel der Partei steht Evo Morales näher und verhält sich radikaler und weniger dialogbereit", so die bolivianische Expertin.

Morales-Partei vor Zerreißprobe

Ohne die Unterstützung der moderaten Kräfte innerhalb der MAS-Partei wäre ein konkreter Ausweg aus der Krise mit Neuwahlen nicht möglich gewesen. Jetzt stehe die ehemalige Regierungspartei vor einer Zerreißprobe, meint Moira Zuazo. "Vierzehn Jahre lang war diese Partei voll und ganz auf Morales ausgerichtet. Es gab zwar verschiedene Richtungen innerhalb der Partei, aber ohne wirkliche Führungspersönlichkeiten neben Morales."

So droht der Partei die Spaltung, während sie gleichzeitig noch über eine starke Machtbasis in der Bevölkerung verfügt. Seit Evo Morales nicht mehr für das Präsidentenamt kandidieren darf, ist die Suche nach Alternativen innerhalb der MAS-Partei voll entbrannt.

Die jungen Kandidaten der MAS-Partei

"Die Präsidentin des Senats, Eva Copa, ist eine der wenigen sichtbaren Führungspersönlichkeiten des moderaten Flügels der MAS-Partei. Sie hat dazu beigetragen, dass sich die Lage im Land beruhigt hat", so Moira Zuazo. "Sie selbst sagt aber, dass letztendlich Evo Morales darüber entscheidet, wer Präsidentschaftskandidat der MAS-Partei wird." Diejenigen in der MAS-Partei, die die Nähe des Expräsidenten selbst im Exil suchen, gehören eher dem radikaleren Flügel der Partei an. Unter ihnen sticht vor allem Andrónico Rodríguez heraus, der schon seit langem als Kronprinz von Evo Morales gilt.

Beide Politiker stünden - wenn man nur ihr Lebensalter betrachtet - für einen Generationenwechsel: Eva Copa ist 32 und Andrónico Rodríguez 30 Jahre alt. Ein wirklicher Neuanfang wäre vom letzteren aber kaum zu erwarten. "Die MAS ist die größte Partei des Landes, sie ist jung und verfügt über starke soziale Wurzeln in der bolivianischen Gesellschaft. Potentielle Führungskräfte hatten in der Vergangenheit keine Möglichkeit, sich zu profilieren", urteilt Zuazo. "Sollte diese entscheidende Phase die Partei nicht zerreißen, hätte sie durchaus Chancen, die kommende Wahl zu gewinnen."

Ob dabei Evo Morales eher eine Belastung oder eine wichtige Wahlkampfhilfe sein kann, muss sich noch erweisen.

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