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Evangelikale veranstalten Millionen-Marsch in Sao Paulo

Brasilianische Pfingstkirchen sind am Samstag mit ihrem traditionellen "Marsch für Jesus" durch die Straßen von Sao Paulo gezogen. Nach Polizeiangaben nahmen eine Million Menschen teil; die Veranstalter sprachen laut Medienberichten vom Sonntag von mehr als fünf Millionen. Die Kirchen feierten mit der Kundgebung auch das Ergebnis der jüngsten Volkszählung, demzufolge die Pfingstkirchen einen Mitgliederzuwachs verzeichnen.

Nach den Daten von 2010, die das brasilianische Statistikamt Ende Juni veröffentlichte, stieg der Anteil der Gläubigen von Pfingstkirchen in der brasilianischen Bevölkerung in den vergangenen zehn Jahren von 15 auf 22 Prozent. Gleichzeitig nahm der Anteil der Katholiken von 74 auf 65 Prozent ab. Brasilien werde bald das "größte evangelikale Land der Welt" sein, verkündete Estevam Hernandes, Gründer der Kirche "Renascer em Cristo" und Hauptveranstalter des Marsches. Bis 2020 werde die katholische Kirche als größte Glaubensgemeinschaft in Brasilien von den Pfingstkirchen abgelöst, prophezeite Hernandes.

Wissenschaftler sehen jedoch eine Fragmentierung der evangelikalen Bewegung. Immer mehr evangelikale Gläubige gehörten mehreren Kirchen gleichzeitig an; ebenso gebe es nicht praktizierende Mitglieder der evangelikalen Kirchen, sagte der Religionswissenschaftler Edin Sued Abumanssur laut der Tageszeitung "Folha de S. Paulo". "Das Angebot an Kirchen hat stark zugenommen, während jene früher gültige Treue gegenüber einer Kirche nicht mehr existiert", so der Experte von der Katholischen Universität Sao Paulo.

Quelle: KNA