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Evangelikale Drogenbosse behindern afrikanische Religionen

Drogenbosse, die evangelikalen Pfingstkirchen angehören, sollen in den Armenvierteln von Rio de Janeiro die Schließung von Dutzenden Kultstätten afrikanischer Religionen angeordnet haben. Das berichten brasilianische Zeitungen am Donnerstag. Aus Angst vor Repressalien durch die die Favelas beherrschenden Banden hätten Angehörige afrikanischer Religionen zudem das Tragen traditioneller Kleidung und Gegenstände eingestellt oder seien sogar weggezogen. Viele Pfingstkirchen bezeichnen afrikanische Religionen als "Teufelszeug".

Das Phänomen sei bereits seit rund zehn Jahren in einigen Armenvierteln der Stadt zu beobachten, berichten Medien. Begonnen habe es Drogenboss Fernadinho Guarabu, der in der von seiner Bande beherrschten Favela "Morro do Dende" zehn Kultstätten zwangsweise schließen ließ. Bewohner, die die traditionell weißen Gewänder der afrikanischen Religionen tragen, habe Guarabu zum Verlassen des Slums aufgefordert, berichten Anwohner.

Der von der Polizei gesuchte Verbrecher soll eine "Jesus-Cristo" Tätowierung auf dem Arm tragen. Die Außenmauern der Kultstätte hätten seine Gefolgsleute mit Aufschriften wie "Nur Jesus erlöst" beschmiert haben. Mittlerweile sei die Diskriminierung in zahlreichen über das gesamte Stadtgebiet verteilten Favelas zu beobachten.

Insbesondere betroffen seien Anhänger der aus Afrika stammenden Religion "Candomble" sowie von "Umbanda", einer Vermischung afrikanischer Religionen mit Merkmalen des Spiritismus. Diese Religionen werden hauptsächlich von Nachkommen afrikanischer Sklaven praktiziert. Nach brasilianischem Recht ist jede Form religiöser Diskriminierung verboten. Viele Pfingstkirchen bezeichnen die afrikanischen Religionen jedoch als "macumba" (Teufelszeug).

Vertreter von Menschenrechtsorganisationen forderten Politik und Polizei auf, die Kultstätten unter Schutz zu stellen. Dies könne jedoch erst dann erfolgen, wenn die Polizei die Kontrolle über die Favelas habe, gab Roberto dos Santos, Präsident der Regierungsbehörde CEDINE zu bedenken. CEDINE soll die Gleichberechtigung farbiger Menschen im Bundesstaat Rio de Janeiro fördern. Seit 2008 hat Rios Polizei über 30 Favelas von der Herrschaft bewaffneter Banden befreit. Alleine im Stadtgebiet von Rio soll es jedoch rund 700 Elendsviertel geben.

Quelle: KNA