Brasilien |

"€žEvangelicos"€? legen bei Wahlen 50% zu

63 Abgeordnete, 3 Senatoren, darunter „Bischöfe“ und Pastoren von evangelikalen Pfingstkirchen – bei den Wahlen am 3. Oktober hat der überparteiliche „evangelikale“ Block deutlich zugelegt. Sie profitierten dabei von der in den letzten Wochen vor dem Urnengang aufgekommenen Debatte um eine Legalisierung der Abtreibung und der Zulassung der „Homo-Ehe“, wie Umfragen ergaben. Damit konnte der „evangelikale Block“ die Verluste der letzten Wahl im Jahre 2006 wieder wettmachen.

Damals hatte die Verwicklung zahlreicher religiöser Politiker in Korruptionsskandale den in den 80er Jahren eingeleiteten Aufstieg evangelikaler Führer in die Politik unterbrochen. Der religiöse Block will umstrittene Vorhaben der Legislative bremsen, wie die Legalisierung der Homo-Ehe und eine liberalere Auslegung der Abtreibungsgesetzgebung. Letzteres soll nach dem Willen der Politiker geändert werden, damit Abtreibungen auch im Falle von Vergewaltigungen verboten werden.

Bisher darf in Brasilien abgetrieben werden, wenn das Leben der Mutter gefährdet ist oder die Schwangerschaft durch eine Vergewaltigung zustande kam. Auch durch Vergewaltigungen gezeugte Kinder hätten ein Recht auf Leben, so die Auffassung des überparteilichen Blockes. Zudem müsse der Staat homosexuellen Menschen „Mittel zur Verfügung stellen, damit diese ihre angeborenes Geschlecht wiedererlangen können“.

Eine Studie hat währenddessen ermittelt, dass 154 Abgeordnete und 24 Senatoren sich offen für die Zulassung der Homo-Ehe ausgesprochen haben. Viele unterstützen offen Homosexuellenverbände, wie 10 der 18 im ersten Wahlgang gewählten Gouverneure.

Religiöse Themen haben derweil nach dem überraschenden Erfolg der Grünen-Kandidatin Marina Silva, die bei den Wahlen 20% der Stimmen erreichte, eine Schlüsselposition im Wahlkampf eingenommen. Am 31. Oktober treten in einer Stichwahl Oppositionskandidat Jose Serra und die Regierungskandidatin Dilma Rousseff an. Marina Silva, die der evangelikalen Sekte „Assembleia de Deus“ angehört, soll laut Umfragen unter den „Evangelicos“ viele Wähler gefunden haben. Die „Evangelicos“ stellen zwischen 20 und 25% der gut 130 Millionen Wähler. (tm)