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Es gibt noch immer 23 Kolonien in Amerika

Die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) zählt 35 Mitglieder. Allerdings gibt es 23 amerikanische Länder, die der OAS nicht angehören, da sie noch immer Kolonien sind. Mehrheitlich handelt es sich dabei um Inseln, darunter Grönland, die größte Insel der Welt – und eine Kolonie Dänemarks.

Am 16. und am 18. September begehen mit Mexiko und Chile das nördlichste und das südlichste Land Lateinamerikas den 200. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit. Dabei gerät leicht in Vergessenheit, dass in Amerika noch immer 23 Länder Kolonien sind.

Auf den Gipfeltreffen der verschiedenen Regionen Lateinamerikas und der Karibik ist hiervon freilich selten die Rede, geschweige denn, dass deren Souveränität gefordert würde. Die einzige Ausnahme stellen die Falklandinseln im Südatlantik dar, von den Argentiniern „Malvinas“ genannt. Großbritannien entriss ihnen diese sukzessive ab 1833 und führte 1982 Krieg, als die Inselgruppe, die 3.000 Einwohner hat, von argentinischen Truppen besetzt wurde.

Großbritannien besitzt in der Karibik vier weitere Kolonien: Anguila, die Virgin Islands, die Cayman Islands und Montserrat. Dazu kommen im Nordatlantik die Bermuda-Inseln und die Turks- und Caicosinseln. Die einzige Kolonie auf dem amerikanischen Festland ist Französisch-Guayana. Teil der französischen Republik sind außerdem die bevölkerungsreichen Karibikinseln Guadeloupe und Martinique, die damit zur EU gehören. Die drei Inseln Aruba, Bonaire und Curaçao, vor der Küste Venezuelas gelegen, wiederum sind Teile des Königreichs der Niederlande. Die Bevölkerung spricht hier neben Niederländisch die Kreolsprache Papiamento, die sich aus dem Spanischen und dem Portugiesischen ableitet.

Auch die USA sind als Quasi-Kolonialmacht mit von der Partie: Als „Außengebiete“ werden Puerto Rico und die Amerikanischen Jungferninseln bezeichnet. In all diesen Fällen gab es zwar immer wieder einmal separatistische Bewegungen, doch mehrheitlich hat die Bevölkerung kein Interesse an der Änderung des Status, da mit diesem auch Begünstigungen, wie Investitionen und Subventionen, verbunden sind. Außerdem können die Bewohner, wenn sie wollen, in den EU-Ländern bzw. in den USA leben und arbeiten.

Was nun die Frage betrifft, wie viele Länder zu Lateinamerika zählen, so lässt sich diese nicht eindeutig beantworten, da der Begriff „Lateinamerika“ höchst vage und auch künstlich ist. Üblicherweise wird davon ausgegangen, dass zu Lateinamerika all jene Länder gehören, die eine auf das Latein zurückgehende Sprache sprechen: Spanisch, Portugiesisch, Französisch, sowie die aus diesen abgeleiteten Kreolsprachen.

Kanada jedoch bleibt außen vor, obwohl es den zweitgrößten Bevölkerungsanteil Französisch-Sprechender auf der Welt hat, auch wenn dieser sich auf die Provinz Québec konzentriert. Genauso wenig berücksichtigt werden die 50 Millionen Hispanics, die in Nordamerika leben. In Belize auf der anderen Seite ist Englisch zwar die Amtssprache – wenn auch im Alltag eher in seiner kreolischen Variante gesprochen, neben Spanisch - , das Land beteiligt sich aber an der mittelamerikanischen Integration.

Bei der Verwendung des Begriffs „Lateinamerika“ ist ferner darauf zu achten, dass zum Beispiel in Bolivien und Paraguay ein großer Anteil der Bevölkerung indigene Sprachen spricht.

Autor: Isaac Bigio, deutsche Bearbeitung: Bernd Stößel, in: Bolpress